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Frage: Herr Dr. Calabrese, wie wichtig ist die Früherkennung bei Alzheimer-Demenz?
PD Dr. Calabrese: Es hat sich immer wieder gezeigt, dass die Krankheitssymptome bei Alzheimer-Demenz deutlich positiver beeinflusst werden können, je früher die Krankheit erkannt wird. Es gibt gute medikamentöse Therapiemöglichkeiten, die zu diesem frühen Zeitpunkt sehr vielversprechend eingesetzt werden können. Dafür ist es aber wichtig, die Diagnose in einem relativ frühen Stadium zu sichern.
Unterstützt durch nichtmedikamentöse Therapien hat der Betroffene dann gute Möglichkeiten, über einen längeren Zeitraum noch vieles selbst zu entscheiden und selbstständig am Alltagsleben teilzuhaben.
Frage: Welche Rolle spielen Früherkennungsfragebögen bzw. Früherkennungstests im Rahmen der Diagnose?
PD Dr. Calabrese: Früherkennungstests und Früherkennungsfragebögen sind die ersten einfachen, aber entscheidenden Instrumentarien, die einen Anfangsverdacht auf Alzheimer-Demenz verdichten können.
Mit Früherkennungstests bzw. -fragebögen arbeitet in der Regel der behandelnde Arzt. Erste Veränderungen des Gedächtnisses und des Verhaltens können damit mittels Fragebogen bereits auch zuhause kritisch hinterfragt werden. Der Betroffene kann dafür den Fragebogen allein oder gemeinsam mit einem Angehörigen beantworten.
Wichtig ist es, dass die Ergebnisse dann so schnell wie möglich mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Er wird durch weiterführende Untersuchungen feststellen, ob ein Demenzsyndrom, z.B. eine Alzheimer-Demenz, wahrscheinlich ist.
Frage: Sie haben jetzt den neuen Früherkennungsfragebogen „ADAM“ entwickelt. Was ist das Besondere an diesem Fragebogen?
PD Dr. Calabrese: Der
neue Früherkennungsfragebogen ADAM wurde in der Entwicklungsphase an gesunden älteren Menschen sowie an Patienten mit leichter Demenz durchgeführt. Er überprüft insgesamt drei Bereiche des menschlichen Handelns: das Denken, die Stimmung und das Alltagsverhalten. Alle drei Bereiche verändern sich im Rahmen einer Demenzentwicklung.
So sind bei der Alzheimer-Krankheit insbesondere die Regionen im Gehirn betroffen, die für Erinnerung, Antrieb und Gefühle zuständig sind. Genau hier setzt der neue Fragebogen an. Er überprüft mit nur drei Fragen zu jedem dieser Bereiche, ob bei dem Betroffenen eventuell eine Veränderung oder Störung dieser Funktionen vorliegt.
Frage: Wie wird dieser Fragebogen richtig eingesetzt?
PD Dr. Calabrese: Der Früherkennungsfragebogen ist so konzipiert, dass ihn der Betroffene selbst oder gemeinsam mit einem Angehörigen ausfüllen kann. Die Fragen sind eindeutig gestellt, leicht verständlich und daher für jeden gut und schnell zu beantworten. Der Betroffene kann ganz einfach mit „Ja“ oder „Nein“ antworten.
Die Auswertung des Fragebogens erfolgt dann über ein Punktesystem und ist abhängig von der Anzahl der mit „Ja“ beantworteten Fragen. Das individuelle Ergebnis dient gleichzeitig auch als Handlungsanweisung und gibt dem Betroffenen einen Anhaltspunkt, was er speziell in seinem Fall als nächstes tun sollte. Die Auswertung sollte dann in jedem Falle mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.
Frage: Welche medikamentöse Therapie bietet sich an, wenn die Diagnose Alzhei-mer-Demenz gesichert ist?
PD Dr. Calabrese: Im frühen und mittleren Stadium der Alzheimer-Demenz haben sich so genannte Acetylcholinesterase-Hemmer wie Galantamin (Reminyl®) bewährt. Das Antidementivum verhindert den Abbau des Nervenbotenstoffs Acetylcholin und wirkt so dem bei der Alzheimer-Krankheit im Gehirn auftretenden Mangel an Acetylcholin entgegen. Mit diesem Medikament ist es heute möglich, die Verschlimmerung der Krankheit zu verzögern sowie bestimmte Symptome deutlich abzumildern.
Frage: Was raten Sie Patienten und Angehörigen darüber hinaus, um mit Alzheimer-Demenz besser leben zu können?
PD Dr. Calabrese: Eine Behandlung mit Medikamenten sollte immer durch psychosoziale Maßnahmen ergänzt werden. Hier gehören praktische Übungsbehandlungen wie z.B. Ergotherapie genauso dazu wie die Beschäftigung mit der persönlichen Biographie (z.B. Fotoalben, vertrauten Gegenstände oder wichtigen Stationen des Lebens der Patienten). Generell sollten Angehörige versuchen, die Alltags- und Freizeitaktivitäten des Alzheimer-Patienten zu fördern und ihn so weit wie möglich in das normale Familienleben einzubinden. Eine überschaubare, stress- aber nicht reizfreie, sondern durchaus stimulierende Umgebung und ein konstant strukturierter Tagesablauf können dies erleichtern. Wichtig ist auch, dass die Angehörigen der Patienten durch fachgerechte Beratung unterstützt und somit in die Lage versetzt werden gemeinsam mit dem Patienten einen adäquaten Umgang mit dieser Erkrankung zu finden um eigene, durch den Betreuungsaufwand entstehende, körperliche und geistige Belastungen so gering wie möglich zu halten. Hierzu bieten viele lokale Alzheimer-Gesellschaften aber auch andere spezialisierte Zentren (Memory-Kliniken, spezialisierte Praxen) eine wertvolle Hilfe an.
Über PD Dr. Pasquale Calabrese
PD Dr. Pasquale Calabrese ist Leiter der Abteilung für Neuropsychologie und Verhaltensneurologie an der Neurologischen Universitätsklinik Bochum, Autor des Früherkennungs-fragebogens „ADAM“.
Er ist ausgewiesener Experte für die Früherkennung von Hirnleistungsstörungen bei Demenz. Viele nationale und internationale Forschungsvorhaben rund um das Gedächtnis und das Denken laufen unter seiner Verantwortlichkeit.
Der gebürtige Neapolitaner hat bereits mehrere Früherkennungstests für die Bereiche Hirnleistungs- und Verhaltensstörungen entwickelt. Für Ärzte sind unter anderem diese Tests einfache, aber wichtige Instrumentarien, um geistige Beeinträchtigungen schnell und sicher diagnostizieren zu können.

