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Alzheimer-Demenz – früh erkennen und sinnvoll behandeln

Presse-Informationen
zur 4. Bundesweiten Aktionswoche „In Würde altern“
vom 24. bis 29. Oktober 2005

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland leiden unter Demenz. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung nimmt mit dem Älterwerden zu, so sind bei den 60-Jährigen erst ein bis zwei Prozent betroffen, bei den Mitte 70-Jährigen sind es schon sechs Prozent und bei den 80-Jährigen mehr als 13 Prozent. Die bekannteste und mit etwa 60 Prozent auch häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit.

Den Blick der Öffentlichkeit auf die Probleme Demenzkranker und ihrer Angehörigen lenken will die 4. bundesweite Aktionswoche „In Würde altern“ vom 24. bis 29. Oktober 2005. Da die Alzheimer Krankheit schleichend beginnt, wird sie häufig viel zu spät erkannt. Meist geschieht dies erst, wenn die Veränderungen nicht mehr zu verleugnen sind beziehungsweise der Umgebung auffallen. Doch gerade im Anfangsstadium der Krankheit können die vorhandenen Therapien wirkungsvoll helfen. Aktuelle Untersuchungen zeigen allerdings, dass hierzulande nur etwa jeder achte Alzheimer-Patient (13 Prozent) solche wirksamen Medikamente wie beispielsweise den Wirkstoff Galantamin erhält, wie sie von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft empfohlen werden. Mehr als zwei Drittel der Demenzkranken werden zu Hause betreut. Die Hauptlast liegt also auf den Schultern der nächsten Familienangehörigen, meist den Ehepartnern, Töchtern oder Schwiegertöchtern. Die medikamentöse Unterversorgung erschwert die Pflegearbeit zusätzlich.

Im Mittelpunkt der Aktionswoche, zu der die Initiative Altern in Würde und das Deutsche Grüne Kreuz e. V. in Marburg aufrufen, steht die Information darüber, wie die Alzheimer-Krankheit früh erkannt werden kann und welche Behandlungsverfahren sinnvoll sind. Welche Symptome sind tatsächlich ernst zu nehmende Warnsignale für eine Demenz? Wie merkt man selbst, dass etwas nicht mehr stimmt? Bei welchen auffällig veränderten Verhaltensweisen sollten Angehörige aufmerksam werden? Was sind effiziente und wirkungsvolle Alzheimer-Therapien.

An der Aktionswoche beteiligen sich zahlreiche Gesundheitsämter, Seniorenbeiräte und Apotheken im gesamten Bundesgebiet. Dort gibt es kostenlose Ratgeber-Broschüren. Zusätzliche Informationen kann man im Internet auf der Seite www.altern-in-wuerde.de finden. Info-Broschüren zum Thema Alzheimer-Demenz können auch gegen Einsendung eines mit € 1,44 frankierten DIN A5-Rückumschlags bestellt werden bei

Deutsches Grünes Kreuz e.V.
Stichwort: Aktionstag „In Würde altern 2005“
Postfach 1207
35002 Marburg


Demenz – die wichtigsten Fakten

Medizinisch betrachtet ist die Demenz (lateinisch: „ohne Geist sein“) eine Erkrankung des Gehirns, die langsam fortschreitet. Der Mensch verliert zunehmend die Kontrolle über sein Denken und Handeln. Das Verhalten und die Persönlichkeit können sich verändern.

Mit Erinnerungslücken fängt es meist an
Charakteristisch für eine beginnende Demenz sind Störungen der Merkfähigkeit insbesondere von neuen Informationen. Dabei funktioniert die Erinnerung an Erlebnisse aus früheren Jahren meist noch gut, an kurz zurückliegende Ereignisse kann man sich jedoch nicht mehr erinnern. Im weiteren Verlauf können sich Sprachstörungen einstellen, Begriffe werden umschrieben, da die passenden Worte nicht mehr einfallen. Später schwindet dann auch das Orientierungsvermögen und selbst vertraute Personen werden nicht mehr erkannt. Dies alles ist das Ergebnis eines Mangels an bestimmten Botenstoffen im Gehirn, der durch das krankheitsbedingte Absterben von Nervenzellen zustande kommt.

Das Verhalten ändert sich auffällig
Depressionen, Rückzug aus Freundes- und Bekanntenkreis und Ängste sind gerade zu Beginn der Demenz nicht selten. Der Betroffene bemerkt seine eigenen Unzulänglichkeiten und zieht sich in der Folge immer mehr zurück oder reagiert feindselig. Mit dem Fortschreiten der Krankheit verschärfen sich die Verhaltensänderungen. Weil auch die Nervenzellen seiner „inneren Uhr“ vom Abbau betroffen sind, wandert der Erkrankte nachts unruhig umher. Er reagiert zunehmend misstrauisch, gereizt oder aggressiv. Dies kann sich in Beißen, Kratzen, Treten oder mit Gegenständen werfen äußern. Auch kann er Wahnideen entwickeln, dass er zum Beispiel belogen oder betrogen würde, oder er hört und sieht Dinge, die nicht existieren.

Tests können Aufschluss geben
Wenn Angehörige erste Veränderungen bemerken oder man selbst den Eindruck hat, etwas sei nicht mehr ganz in Ordnung, sollte man schnell handeln. Der erste Weg sollte zum Hausarzt führen. Dieser kann mit einfachen Tests feststellen, ob die Sorge vor Demenz begründet ist. Stellt der Hausarzt eine Demenz fest, kann er direkt mit einer Behandlung beginnen oder einen Facharzt für Neurologie und Psychiatrie hinzuziehen, der noch speziellere Untersuchungen vornehmen kann.

Moderne Behandlungsverfahren zeigen Erfolge
Je früher mit einer Demenztherapie begonnen wird, umso größer sind die Erfolgsaussichten, dem Patienten und seinen Angehörigen noch viele Jahre eine gute Lebensqualität und ein Altern in Würde zu ermöglichen. Im Vordergrund der medikamentösen Behandlung der leichten bis mittelschweren Demenz stehen moderne Antidementiva. Mit dem Wirkstoff Galantamin, einer Substanz, die ursprünglich aus dem Schneeglöckchen gewonnen wurde, konnte in klinischen Studien nachgewiesen werden, dass die geistige Leistungsfähigkeit bis zu vier Jahren stabil gehalten werden kann.

Seit der Wirkstoff Risperidon auch in Deutschland für die Behandlung von aggressivem Verhalten, Schreien, Beißen und Umherschlagen zugelassen ist, stellen diese Verhaltensänderungen ebenfalls kein unausweichliches Schicksal mehr dar. Häufig glauben Demenzkranke, dass man sie bestehlen wolle, oder sie fühlen sich bedroht und verfolgt. Auch solche Halluzinationen oder Wahnvorstellungen können mit Risperidon gut behandelt werden. Der Tag-Nacht-Rhythmus pendelt sich wieder ein, das Zusammenleben in der familiären Gemeinschaft entspannt sich.

Praktische Tipps zum Umgang mit Demenzkranken
Verhaltensstörungen des Demenzpatienten sind für Angehörige und Pfleger oft schwerer auszuhalten als die Störungen im Gedächtnis. Wichtig ist, auf die Veränderungen gelassen zu reagieren und den Betroffenen nicht zu belehren. Die Angehörigen sollten sich auf einfache Weise mit dem Erkrankten unterhalten und dabei immer auf Blickkontakt achten. Die Sprache muss klar, sanft und liebevoll sein – oder man hört einfach nur zu. Mit Gesten und Berührungen kann man Intimität schaffen und Gefühle zeigen, denn diese nimmt der Demenzkranke noch am intensivsten wahr. Besonders in schwierigen Situationen ist es hilfreich, die Lebensgeschichte des betroffenen Menschen zu kennen. So weiß man eher, was er gerne mag, welcher seiner Sinne angesprochen werden könnte, womit man ihn so beschäftigen oder ablenken kann, dass er sich noch wertvoll fühlt.

Der Tagesablauf eines Demenzkranken sollte gut strukturiert sein, Gewohnheiten müssen respektiert werden. Veränderungen an der Umgebung oder ein häufiges Wechseln der Bezugspersonen sollte man möglichst vermeiden. Tägliche Spaziergänge an der frischen Luft lockern die Stimmung und wirken gleichzeitig schlaffördernd. Eine ausreichende Lichteinwirkung am Tage wirkt sich außerdem positiv auf den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus aus.

Nur mit Geduld und Verständnis kann es gelingen, in die Welt eines Demenzpatienten vorzudringen. Unterstützen lassen sollten sich die Angehörigen dabei vom Hausarzt. Im Idealfall überwacht er nicht nur die medikamentöse Therapie, sondern kann auch ein wertvoller Berater in allen Fragen zu Pflege und Betreuung des Demenzpatienten sein.

Weitere Informationen zum Thema Alzheimer-Demenz finden Sie im Internet unter www.altern-in-wuerde.de.


Alzheimer-Patienten kommen zu kurz
Studie deckt katastrophale Unterversorgung auf

Der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit ist für den denkenden Menschen eine der schlimmsten Bedrohungen, die ihm in seinem Leben widerfahren kann. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind bereits von Demenz betroffen, davon leiden ca. 70 Prozent an einer Alzheimer-Demenz. Eine neue Untersuchung kommt nun zu dem Schluss, dass nur etwa jeder achte Alzheimerkranke hierzulande so behandelt wird, wie es die medizinischen Leitlinien vorsehen.

Jedes Jahr erkranken rund 120.000 Bundesbürger neu an Alzheimer. Das Risiko wächst mit dem Alter. Geheilt werden kann die Krankheit derzeit nicht, wohl aber ist es möglich, das Fortschreiten von Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit und geistiger Leistungseinschränkungen durch spezielle Medikamente, so genannte Antidementiva, zu verzögern. In den Leitlinien der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft werden für Alzheimer-Patienten mit leichten bis mittelschweren Formen der Erkrankung Acetylcholinesterasehemmer empfohlen.

In der vom Verband der forschenden Arzneimittel-Hersteller (VfA) in Auftrag gegebenen Studie wurde nun die für alle Alzheimer-Patienten nötige Menge an Antidementiva mit der tatsächlich verordneten Menge dieser Medikamente für das Jahr 2002 verglichen. Das Ergebnis: Um alle 600.000 in einer gesetzlichen Krankenkasse versicherten Alzheimer-Patienten den Leitlinien entsprechend zu versorgen, hätten 220 Millionen Arzneimittel-Dosen aufgewandt werden müssen. In Wirklichkeit waren es jedoch nur 28 Millionen.

Diese Medikamenten-Menge reicht gerade einmal für ca. 13 Prozent der Alzheimerkranken aus. Mehr als 520.000 Patienten erhalten demnach keine Medikamente oder solche mit nicht nachgewiesenem Nutzen. Auswirkungen hat dies nicht nur für die Erkrankten selbst. Ihnen wird die Chance vorenthalten, mit wirksamen Medikamenten das geistige Leistungsvermögen noch einige Zeit aufrecht zu erhalten. So wurde beispielsweise für den Schneeglöckchen-Wirkstoff Galantamin (Reminyl) nachgewiesen, dass er den Abbau der Hirnleistung bis zu vier Jahre verzögern kann. Die Unterversorgung belastet indirekt aber auch die Familienangehörigen, die zu 80 Prozent die Pflege- und Betreuungsarbeit leisten. Eine angemessen und frühzeitige Therapie mit wirksamen Antidementiva kann den täglichen Zeitaufwand für die Pflege eines Alzheimerkranken um fast eine Stunde verkürzen. Diese Zeit gewinnen die Angehörigen für die eigene Erholung.

Die Ursachen für die bestehenden Versorgungslücken sehen Experten wie die beiden Nürnberger Psychiater Dr. Dr. Günther Niklewski und Dr. Klaus-Christian Steinwachs von der Initiative Altern in Würde vor allem im Ausbildungsdefizit, dass nach wie vor bei vielen niedergelassenen Haus- und Allgemeinärzten anzutreffenden sei. Ohne regelmäßige Fortbildung im Demenzbereich fehle es den Ärzten einfach an Kenntnissen darüber, was mit modernen Medikamenten erreicht werden könne. Ein weiterer Grund für die Therapie-Zurückhaltung sei sicher auch das immer enger geschnürte Budget-Korsett und der Zwang zu Einsparungen.


Lieber zu früh als zu spät auf Demenz testen

Mit zunehmenden Alter häufen sich Situationen, in denen einem das Gedächtnis im Stich lässt, manchmal verändert sich auch das Verhalten auffällig. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass es sich dabei um normale Alterserscheinungen handelt. Möglicherweise sind es aber auch die Vorboten einer Demenz.

Im Frühstadium der Alzheimer-Demenz schwindet vor allem das Kurzzeitgedächtnis. Warnzeichen können sein, wenn man schon mittags nicht mehr weiß, was man am Morgen gefrühstückt hat, welcher Wochentag ist oder wenn man sich in einer fremden Umgebung immer schlechter zurechtfindet. Auch Wesensveränderungen wie sozialer Rückzug, Unruhe, zunehmende Feindseligkeit können die Krankheit begleiten.

Treten solche Veränderungen öfter auf und fühlen sich auch Familienmitglieder dadurch beeinträchtigt, dann ist es höchste Zeit, den Hausarzt oder einen Facharzt (Nervenarzt oder Psychiater) aufzusuchen. Da der Betroffene selbst meist keine Krankheitseinsicht hat, ist es hilfreich, wenn ein Angehöriger am Arztgespräch teilnimmt.

Der Arzt kann mit einer Reihe von einfachen Tests schnell feststellen, ob das geistige Leistungsvermögen noch dem Alter entspricht. Bei diesen Tests wird vor allem das Kurzzeitgedächtnis und die räumliche Orientierungsfähigkeit geprüft. Erhärtet sich der Verdacht auf eine Demenzerkrankung, wird der Arzt weitergehende Untersuchungen vornehmen, um nach den genauen Ursachen zu forschen.

Vor solchen Tests sollte man keine Scheu haben und sie nicht zu lange hinauszögern. Denn je früher eine Demenzerkrankung entdeckt wird, umso größer sind die Chancen, mit der richtigen Therapie die Verschlimmerung der Krankheit zu verzögern und die Symptome zu bessern. Am besten geeignet sind dafür Medikamenten aus der Gruppe der Antidementiva wie zum Beispiel der Schneeglöckchen-Wirkstoff Galantamin. Er hat sich in der Praxis bewährt und in zahlreichen Studien bewiesen, dass Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit damit über mehrere Jahre stabil gehalten werden können..

Auch wenn Alzheimer noch nicht heilbar ist, so kann die Situation durch die richtige Therapie deutlich entspannt werden. Die Betroffenen und ihre Angehörigen gewinnen mehr Lebensqualität und vor allem Zeit, die sie dafür nutzen können, sich auf die neue Situation einzustellen. Falls noch nicht geschehen, sollte der Erkrankte eine Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung unterschreiben, in der geregelt wird, wer später einmal die Verantwortung für die Pflege und alle rechtlichen und finanziellen Belange übernehmen soll.

Weitere Informationen über Früherkennung, Tests und Therapie der Alzheimer-Demenz unter www.altern-in-wuerde.de.


Fotos und Abbildungen

Eine Demenzerkrankung kann das Familienleben erheblich belasten
Foto 1: Eine Demenzerkrankung kann das Familienleben erheblich belasten.

Eine Demenzerkrankung kann alltägliche Arbeiten im Haushalt erheblich erschweren
Foto 2: Eine Demenzerkrankung kann alltägliche Arbeiten im Haushalt erheblich erschweren.


Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Alter.
Abb. 1: Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Alter.

Die zwei Seiten der Alzheimer-Demenz
Abb. 2: Die zwei Seiten der Alzheimer-Demenz


Die Fotos und Grafiken können als jpg-Dateien angefordert werden unter roswitha.seim(à)kilian.de

 



Ansprechpartner:
Dr. Ingolf Dürr
Deutsches Grünes Kreuz e. V.
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Tel.:0 64 21 / 293 - 174
Fax: 0 64 21 / 229 - 774
E-Mail: ingolf.duerr(à)kilian.de

 

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