DGK e.V. -Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass das Blut der Nabelschnur ein wertvoller biologischer Rohstoff ist, der in der Medizin in naher Zukunft eine außerordentlich wichtige Rolle spielen dürfte.
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Stammzellen aus der Nabelschnur

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass das Blut der Nabelschnur ein wertvoller biologischer Rohstoff ist, der in der Medizin in naher Zukunft eine außerordentlich wichtige Rolle spielen dürfte. Bereits heute werden Stammzellen aus dem Nabelschnurblut erfolgreich in der Therapie mancher Krebsarten eingesetzt, doch schon bald wird man diese Zellen auch dafür verwenden können, abgenutzte, verletzte oder erkrankte Organe und Körpergewebe zu erneuern beziehungsweise zu ersetzen. Es besteht somit begründete Aussicht, auch bislang als unheilbar geltenden Krankheiten, wie beispielsweise Diabetes, Parkinson oder Multiple Sklerose, ihren Schrecken zu nehmen.

Die Broschüre zum Thema: Stammzellen aus der Nabelschnur - ein kostbares Gut


Medizinische Entwicklung
 

Bis vor wenigen Jahren dachte man, dass die Nabelschnur wertlos sei, dementsprechend wanderte die sie in der Regel in den Müll. Vielfach passiert dies leider auch heute noch. An dieser Einstellung hat sich einiges geändert. Denn inzwischen weiß man, wie wertvoll das in der Nabelschnur enthaltene Blut für die Medizin sein kann.

Was ist der Grund dafür? In dem Blut, das sich nach der Geburt noch in der Nabelschnur und im Mutterkuchen befindet, haben Wissenschaftler schon vor einigen Jahren so genannte Stammzellen entdeckt. Diese Nabelschnur-Stammzellen sind zum Beispiel in der Lage, das gesamte Blut bildende System eines Menschen aus sich heraus neu aufzubauen, indem sie sich fortwährend teilen und dann zu roten oder weißen Blutkörperchen sowie zu Blutplättchen werden. Diese übernehmen dann im Körper so lebenswichtige Aufgaben wie den Sauerstofftransport, die Immunabwehr und die Blutgerinnung.

In den USA nutzen schon viele Tausende von Eltern diese Möglichkeit der Vorsorge für ihr Kind und lassen dessen Nabelschnurblut individuell einlagern. In Deutschland haben zwar einige größere Kliniken Nabelschnurblutbanken angelegt, die Eltern oder das Kind haben hier aber keinen Einfluss auf die spätere Verwendung, denn alle Daten über die Herkunft werden gelöscht.


Was sind Stammzellen?
 

Man kann sich Stammzellen als direkte Nachfolger jener ersten Zellen vorstellen, die kurz nach der Befruchtung aus der Eizelle entstehen. Sie stammen sozusagen in direkter Folge von diesen ab, woher auch der Name "Stamm"-zelle rührt. Stammzellen haben zwei wichtige Funktionen: Sie können sich schier endlos teilen und sie sind in der Lage, aus sich heraus alle anderen Zelltypen des Körpers zu erschaffen. Zumindest trifft das auf die embryonalen Stammzellen zu, die man daher auch gerne mit dem Fachausdruck "totipotent" bezeichnet, was nichts anderes als "Alleskönner" heißt.

Schon im Mutterleib beginnt der Abbau dieser totipotenten Stammzellen. Je größer und reifer der Embryo wird, desto weniger Stammzellen benötigt er. Eine Reserve für das Erwachsenenalter bleibt allerdings immer zurück. Stammzellen finden sich deshalb nicht nur im Embryo, sondern auch noch beim erwachsenen Menschen in vielen Körpergeweben. Im Knochenmark sind sie dafür verantwortlich, dass die Blutzellen immer wieder erneuert werden, in der Leber reparieren sie Schäden, die beispielsweise Alkoholmissbrauch verursacht hat. Diese "erwachsenen" Stammzellen sind allerdings nicht mehr totipotent im eigentlichen Sinne, sondern schon sehr auf die Aufgaben in ihrem speziellen Organ festgelegt.

Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass Stammzellen aus dem Nabelschnurblut nicht nur als Knochenmarkersatz fungieren, sondern darüber hinaus sehr wahrscheinlich auch zum Aufbau einer Vielzahl anderer Körpergewebe wie Leber, Muskeln, Knochen oder Knorpel verwendet werden können.


Wie wird Nabelschnurblut gewonnen?
 

Nabelschnurblut lässt sich sehr unkompliziert und schnell gewinnen. Direkt nach der Geburt wird der Nabel abgeklemmt und das Blut aus der Hauptvene der Nabelschnur entnommen. Weder das neugeborene Kind noch die Mutter spüren etwas von dieser Prozedur, die grundsätzlich von jedem Gynäkologen oder jeder Hebamme ohne großen Aufwand durchgeführt werden kann. Bei Raumtemperatur bleiben die Nabelschnurblut-Stammzellen mindestens 24 Stunden lebensfähig. Zeit genug, um sie in einem ausgeklügelten Verfahren für das Einfrieren und die Lagerung in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius vorzubereiten. Die bisherigen Erfahrungen mit dieser Methode zeigen, dass so behandelte Stammzellen auch nach 15 Jahren noch völlig intakt sind. Die tatsächliche Überlebensdauer ist aber wahrscheinlich weitaus länger.


Stammzellentherapie bei Krebspatienten
 

Die Therapie mit Stammzellen ist im Prinzip keine neue Idee. Seit Jahrzehnten werden Blut bildende Stammzellen aus dem Knochenmark von Spendern in der Behandlung schwerer Krebsleiden, wie zum Beispiel Leukämie, und bei einigen erblich bedingten Immunmangel- sowie Stoffwechselkrankheiten erfolgreich eingesetzt. Bei einer Fremd- Knochenmarkübertragung muss allerdings erst ein geeigneter Spender gefunden werden. Das kann lange dauern, und nicht selten bedeutete diese Wartezeit das Todesurteil für den betroffenen Patienten. Abstoßungsreaktionen und die Gefahr einer Übertragung von Viren vom Spender auf den Empfänger stellen eine zusätzliche Komplikation dar. Wird beispielsweise durch eine Chemotherapie des Knochenmarkgewebe geschädigt, können Nabelschnurblut-Stammzellen eine entscheidende Rolle bei der Therapie solcher Folgeschäden sein.

Bereits 1972 wurden erstmals einem Leukämie-Patienten Nabelschnurblut-Stammzellen transplantiert. Seit Ende der 80er Jahre werden immer mehr Transplantationen von Nabelschnurblut-Stammzellen verwandter und nicht verwandter Spender mit großem Erfolg vorgenommen. Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung ist darin zu sehen, dass Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sich schneller teilen als solche von erwachsenen Spendern und im Gegensatz zu diesen meist auch frei sind von Viren oder anderen Krankheitserregern. Außerdem kommen Abstoßungsreaktionen deutlich seltener vor, weil die Nabelschnurblut-Stammzellen für die Immunabwehr des Empfängers nicht so leicht als fremd zu erkennen sind.


Nabelschnurblut spenden oder privat aufbewahren lassen?
 

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut weisen ein hohes medizinisch verwertbares Potenzial auf. Zum Wegwerfen sind sie daher viel zu schade. Werdende Eltern sollten überlegen, wie das Nabelschnurblut ihres Kindes sinnvoll genutzt werden kann. Prinzipiell stehen dafür zwei Wege offen: Die Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank oder die private Aufbewahrung bei einer darauf spezialisierten Firma.
Wer das Nabelschnurblut der Allgemeinheit spenden möchte, sollte sich mit seiner Gynäkologin/seinem Gynäkologen oder der örtlichen Entbindungsklinik in Verbindung setzen und erfragen, ob dies dort durchgeführt wird. Große öffentliche Nabelschnurblutbanken gibt es zum Beispiel in Düsseldorf, Mannheim, München und Dresden. Häufig sammeln diese Kliniken aber nur Spenden aus der näheren Umgebung. Im Fall einer Spende muss man sich darüber im Klaren sein, dass man anschließend keinen Einfluss auf die weitere Verwendung der Stammzellen mehr hat.

Wer das Nabelschnurblut hingegen als eine neue Form der gesundheitlichen Vorsorge ganz speziell für das eigene Kind bzw. die Familie in Betracht ziehen will, der sollte sich an einen privaten Anbieter für die Aufbewahrung von Nabelschnurblut wenden. Deren Dienstleistung kann auch bundesweit in Anspruch genommen, sie ist allerdings nicht kostenfrei.

 

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