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Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich 1,5 bis 2,7 Millionen Menschen an Malaria. Hauptbetroffene sind wie so oft die Kinder. In Afrika ist es besonders dramatisch: Alle 30 Sekunden stirbt ein Kind an der durch Moskitos übertragenen tückischen Tropenkrankheit, jedes Fünfte noch vor seinem fünften Geburtstag.
Die Gründe für die zunehmenden Erkrankungsraten sind vielfältig: Insektizide wirken nicht mehr gegen die Malaria übertragenden Stechmücken, die Erreger werden resistent gegen Medikamente, neue Präparate sind für die Betroffenen unerschwinglich. So schließt sich ein Teufelskreis. Zudem mangelt es schon an der Basis: Es gibt viel zu wenig Moskitonetze, die dämmerungs- und nachtaktiven Blutsauger abhalten könnten.
Alljährlich macht der Afrika-Malariatag am 25. April auf diese Probleme aufmerksam. "Roll back Malaria", die Malaria zurückdrängen, nennt sich die 2000 initiierte Aktion der WHO, des Kinderhilfswerks UNICEF, des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Development Programme, UNDP) und der Weltbank ( www.rbm.who.int ). Das Thema für 2004 lautete "Kinder für Kinder gegen Malaria".
Auch das Deutsche Grüne Kreuz e.V. (DGK) schloss sich 2004 der Kampagne an und rief zu einer bundesweiten Schulaktion auf, an der sich auch zahlreiche Gesundheitsämter und Institutionen beteiligten. Diese Aktion endete am Welt-Malaria-Tag 2005, am 25. April. Das Ziel war: Eine Million afrikanische Kinder bekommen ein imprägniertes Moskitonetz, einen "Schutzschirm für die Nacht". Mit kreativen Ideen sollten Kinder Alt und Jung davon überzeugen, Geld für das WHO-Projekt zu spenden. Die Schulaktion (Kinder sammeln für Kinder) startete zu Beginn des Schuljahres 2004/05: Die Krankheit Malaria wurde beispielweise im Biologie- Unterricht thematisiert. Aber auch Eltern, Verwandte und Bekannte, Medien und die Bevölkerung wurden für die Probleme der Kinder auf dem afrikanischen Kontinent sensibilisiert werden. Das geschah etwa durch Theateraufführungen, Infostände in Fußgängerzonen oder auf dem Schulhof. Artikel in Schülerzeitungen, Broschüren, Poster mit Spendenaufrufen oder Aktionen auf dem Sportplatz waren weitere Möglichkeiten. Mehr als 6.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland beteiligten sich mit großem Engagement daran und sammelten Spenden für ihre Altersgenossen in Afrika.
Da die Spendenkampagne auch nach dieser Schulaktion fortgeführt wurde, unter anderem unterstützt von der Zeitschrift 'Brigitte', kam einiges zusammen: Am
29. August 2008 überreichte das Deutsche Grüne Kreuz e. V. bei der Feier seines 60-jährigen Bestehens in Marburg einen Gutschein über
11.000 Moskitonetze an Dr. Zerihun Tadesse, den Vertreter des äthiopischen Gesundheitsministeriums. Dies entspricht einem Gegenwert von 100.000 Euro.
Die Aktion geht weiter, denn die Menschen in Äthiopien brauchen auch weiterhin Hilfe. Die Spendennummer lautet:
Sparkasse Marburg-Biedenkopf
BLZ 533 500 00
Konto-Nummer 10002869
Der frühere Bundeswirtschaftsminister, Dr. Günter Rexrodt, übernahm im Frühjahr 2004 die Schirmherrschaft der Aktion. "Die Malaria betrifft nicht nur Menschen in tropischen Ländern. Vor einigen Jahren bin ich auf einer Reise sehr schwer an Malaria erkrankt. Es hat lange gedauert, bis ich wieder richtig gesund war. Bei uns sind die Chancen, eine Malaria-Erkrankung zu überstehen aufgrund des hohen medizinischen Standards recht gut. Für die Menschen in Afrika ist das nicht so. Daher ist es auch so wichtig, dass sie sich nachts, wenn die Mücken aktiv sind, mit Moskito-Netzen schützen können", so Dr. Rexrodt damals.
Zum Tode von Dr. Günter Rexrodt
Mit großer Bestürzung haben wir vom Tod Dr. Günter Rexrodts gehört, den wir für sein Engagement besonders schätzten. Rexrodt hatte bereits im Frühjahr die Schirmherrschaft für das Projekt "Kinder für Kinder gegen Malaria" übernommen. Ganz überraschend starb der 62-jährige Rexrodt am 19. August 2004.
Rexrodt wurde Ende Mai im Hals-Nasen-Ohren-Bereich operiert. Der Verdacht auf Krebs bestätigte sich jedoch nicht. Allerdings gab es Komplikationen bei der Operation: Rexrodt konnte noch nicht wieder sprechen. Die FDP-Spitze rechnete mit der Rückkehr Rexrodts an seinen Arbeitsplatz im September. Er hatte in seinem Büro aber bereits wieder Aktenarbeiten vorgenommen.
Der FDP-Politiker war von 1993 bis 1998 Bundeswirtschaftsminister, seit 2001 Bundesschatzmeister seiner Partei. Der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher bezeichnete Rexrodt als eine "herausragende Persönlichkeit". Er habe sich durch einen klaren Weg, Entschiedenheit und Verlässlichkeit ausgezeichnet, betonte Genscher: "Er wird uns allen fehlen, seiner Familie, den Liberalen und seinen Freunden." Bundespräsident Horst Köhler hat der Witwe Rexrodts sein Beileid ausgesprochen. "Mit Günter Rexrodt verliert die Bundesrepublik einen markanten und profilierten Politiker", heißt es in dem Telegramm an Ingrid Rexrodt. "Er war stets glaubwürdig, weil er auch gegen Widerstände zu seinen Überzeugungen stand und sie mit großem Engagement in der Öffentlichkeit vertrat." Rexrodts Ziel sei die "freie Gesellschaft mündiger Bürger" gewesen.
Weitere Informationen:
Umfangreiches Informationsmaterial der Schulaktion 2004/2005 zum Download
"Der Kampf gegen Malaria hat für afrikanische Staatschefs Priorität", Artikel aus der Ärztezeitung vom 25.11.2004. Zum Download:
Aerztezeitung_25-11-04.pdf


