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Narkolepsie - Wenn Schlafen zum Problem wird
Oktober 2006
Wach bleiben, aber wie?
Drei häufige Ursachen, weshalb viele Menschen tagsüber mit dem Schlaf kämpfen
(Zeichen 3.199)
Wenn man nachts nicht genügend schläft, ist man am folgenden Tag müde. Das ist normal und meist ist das Problem beseitigt, wenn man in der nächsten Nacht länger schläft. Doch für immerhin fünf Prozent der Bundesbürger ist die Tagesmüdigkeit ein ständiger Begleiter, egal wie gut oder lange der Nachtschlaf war. Die Ursachen dafür können vielfältig sein und reichen vom Schichtarbeiter-Syndrom über die obstruktive Schlafapnoe bis zur Narkolepsie.
Die Folgen der Tagesschläfrigkeit sind erheblich. So hat man einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Müdigkeit und der Häufigkeit von Unfällen in industriellen Betrieben sowie im Straßenverkehr festgestellt. In den frühen Morgenstunden ereignen sich besonders viele Unfälle, weil dann die physiologische Müdigkeit am größten ist. Andere Studien mit Schichtarbeitern zeigen, dass bis zu 20 Prozent der Belegschaft während der Nachtschicht einschläft.
Beim Schichtarbeiter-Syndrom ist die innere Uhr der Betroffenen durch die wechselnden Arbeitszeiten aus dem Takt geraten. Man fühlt sich müde, wenn man wach sein sollte – und umgekehrt. Schichtarbeiter leiden trotz starker Schläfrigkeit vor allem unter Schlafstörungen.
Bei der obstruktiven Schlafapnoe ist die Tagesmüdigkeit Folge von Atemstillständen während des Schlafs. Auslöser ist eine zu sehr erschlaffte Muskulatur im Rachen, die Zunge fällt nach hinten und verschließt den Schlund. Diese bis zu mehrere Minuten dauernden Atemaussetzer führen zu einem Sauerstoffnotstand im Gehirn, das dann eine Alarmreaktion startet und vermehrt Stresshormone ausschüttet. Nach einer solchen Nacht fühlt man sich morgens wie gerädert, das körperliche und geistige Leistungsvermögen ist herabgesetzt, man schläft bei jeder Gelegenheit ein. Unter einer obstruktiven Schlafapnoe leiden mehr als zwei Millionen Bundesbürger.
Wenn Menschen tagsüber oft von regelrechten Schlafattacken übermannt werden, gegen die sie sich überhaupt nicht wehren können, kann es sich um eine Narkolepsie handeln. Bei den Betroffenen ist die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus im Gehirn gestört. Da die Schlafanfälle sich auch beim Autofahren, bei Hausarbeiten oder bei der Bedienung von Maschinen am Arbeitsplatz ereignen können, besteht ein hohes Unfallrisiko.
Allein schon um die Lebensqualität von Narkolepsie-Patienten zu verbessern und ihnen einen normalen Alltag zu ermöglichen, sollte bei verdächtigen Anzeichen schon frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann die Krankheit zwar nicht heilen, medikamentös lässt sich aber zumindest die exzessive Tagesschläfrigkeit heute gut in den Griff bekommen. Zum Einsatz kommt dabei meist eine Therapie mit dem Wirkstoff Modafinil. Diese Substanz steigert die Wachheit (Fachbegriff: Vigilanz) am Tag, ohne den Nachtschlaf negativ zu beeinflussen. Da übermäßige Schläfrigkeit auch ein typisches Symptom der obstruktiven Schlafapnoe und des Schichtarbeiter-Syndroms ist, ist der Einsatz von Modafinil auch für diese Erkrankungen eine zugelassene Behandlungsmöglichkeit. Der Wirkstoff wird dort in Kombination mit anderen therapeutischen Maßnahmen eingesetzt.
Wenn die innere Uhr verstimmt ist
Tipps für einen besseren Schlaf bei Schichtarbeitern (Zeichen 3.527)
Viele unserer Körperfunktionen unterliegen tageszeitlichen Schwankungen, sei es Körpertemperatur, Herzschlag, Atmung und Verdauung oder die Ausschüttung von Hormonen. Präzise gesteuert werden diese Abläufe von einer „inneren Uhr“, die in einer als Hypothalamus bezeichneten Gehirnregion sitzt. Hin und wieder muss diese innere Uhr nachreguliert werden, ein wichtiger Taktgeber ist dafür das Tageslicht.
Am offensichtlichsten nehmen wir die Arbeit der inneren Uhr wahr, wenn sie uns abends müde werden lässt und uns zum Schlafen auffordert. Ein erholsamer Schlaf ist von grundlegender Bedeutung für die Erhaltung der Gesundheit. Wenn wir die Nacht allerdings zum Tage machen, kann die innere Uhr rasch aus dem Rhythmus geraten. Bei Schichtarbeitern beispielsweise müssen Körper und Geist dann in einer Phase Höchstleistungen erbringen, in der sie eigentlich auf Ruhe programmiert sind. Man kann sich vorstellen, dass diese außergewöhnliche Belastung nicht folgenlos bleibt. Schichtarbeiter fühlen sich oft müde und abgeschlagen, ihre Konzentrations- und Leistungsfähigkeit ist verringert, das Unfallrisiko am Arbeitsplatz nimmt zu.
In der Medizin ist dieses Phänomen der verstimmten inneren Uhr deshalb auch unter dem Namen Schichtarbeiter-Syndrom bekannt und wird als ernsthafte Erkrankung eingestuft. Typische Symptome sind, dass man sich müde fühlt, wenn man wach sein sollte, und dass man in der Ruhephase schlecht einschlafen kann. Hinzu kommen häufig noch Magenbeschwerden und Verdauungsstörungen.
Das größte Problem stellen die Schlafstörungen dar. Schichtarbeiter leiden oft unter einem chronischen Schlafmangel, denn sie schlafen im Vergleich zur Normalbevölkerung durchschnittlich pro Tag eine Stunde weniger. In anderen Fällen ist das Hauptsymptom die exzessive Schläfrigkeit, bei der es zu spontanen, unkontrollierbaren und womöglich gefährlichen Schlafattacken bei der Arbeit oder auch in der Freizeit (zum Beispiel beim Autofahren) kommt. Zumindest gegen diese schwere exzessive Schläfrigkeit gibt es inzwischen auch in Deutschland ein Medikament, das die Wachheit wirkungsvoll steigert und deshalb für die Behandlung des Schichtarbeiter-Syndroms zugelassen ist. In Studien hatten Patienten 30 bis 60 Minuten vor ihrer Nachtschicht den Wirkstoff Modafinil erhalten. Nach 12 Wochen hatten sich die Schichtarbeitsbeschwerden bei drei Vierteln der Studienteilnehmer deutlich gebessert.
Doch über die rein medizinische Behandlung hinaus muss man dem Organismus auch die Möglichkeit geben, wieder zu einem erholsamen Schlaf zurück zu finden. Das Stichwort lautet hier „Schlafhygiene“. Zur optimalen Schlafhygiene gehört es, dass man drei bis vier Stunden vor der Schlafenszeit keine anregenden Stoffe wie Koffein oder Nikotin zu sich nimmt. Auch auf Alkohol sollte man vor dem Zubettgehen verzichten, weil er häufig zu Schlafunterbrechungen führen kann. Sport ist zwar grundsätzlich positiv zu betrachten, schwere körperliche Anstrengungen unmittelbar vor dem Schlafengehen können den Schlaf allerdings negativ beeinflussen. Schlafmittel sollte man nur ausnahmsweise nehmen, denn sie senken die Schlafqualität und können bei Daueranwendung unter Umständen abhängig machen. Zusätzlich sollte man auf eine günstige Schlafumgebung achten, das Schlafzimmer sollte lärmgeschützt und möglichst dunkel und kühl sein. Alle diese Maßnahmen können - nicht nur - Schichtarbeitern dabei helfen, mehr gesunden Schlaf zu bekommen.
Wenn nachts der Atem stockt (Zeichen 4.483)
Ein gesunder Schlaf ist Gold wert, sagt der Volksmund, und er hat recht. Der Mensch verbringt etwa ein Drittel seines Lebens im Schlaf, und ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus wirkt sich positiv auf unsere körperliche und geistige Fitness aus. Umso bedenklicher klingen die folgenden Zahlen: Fast jeder zweite Erwachsene klagt über Schlafstörungen, immer mehr fühlen sich deshalb tagsüber müde und abgeschlagen. Jüngere Menschen sind häufiger betroffen als mittlere Altersgruppen, ab dem 65. Lebensjahr verstärken sich dann die Schlafprobleme und die Tagesmüdigkeit wieder deutlich. Wer in einer Stadt lebt, neigt eher zu Schlafstörungen als jemand, der in einer ländlichen Region wohnt.
Mit mehr als zwei Millionen Betroffenen ist die obstruktive Schlafapnoe eine der wichtigsten und gefährlichsten Schlafstörungen. Meist tritt die Erkrankung erstmals zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf, Männer trifft es acht Mal häufiger als Frauen, wobei sich die Verhältnisse nach den Wechseljahren wieder annähern. Übergewicht ist sicherlich ebenfalls ein nicht unerheblicher Faktor, wie man inzwischen weiß. So zeigte eine Studie, dass eine Gewichtszunahme um 10 Prozent das Risiko versechsfachte, eine Schlafapnoe zu entwickeln.
Bei der obstruktiven Schlafapnoe kommt es während des Schlafs zu Atemstillständen, die im Extremfall bis zu mehreren Minuten dauern können. Verursacht werden die Atemaussetzer dadurch, dass die Muskulatur, die normalerweise die Atemwege offen hält, im Schlaf zu sehr erschlafft. Die Zunge fällt nach hinten und verschließt den Schlund.
Wer nicht atmet, bekommt auch keine Luft. Das Gehirn wird schlechter mit Sauerstoff versorgt und versucht deshalb, die Atmung über eine Aktivierung des Zwerchfells wieder in Gang zu bringen. Doch bei einem blockierten Schlund verschlimmert das die Lage nur noch. In letzter Not startet das Gehirn dann eine Alarmreaktion, Stresshormone werden ausgeschüttet und die Atmung setzt mit einem explosionsartigen Schnarchen wieder ein. Obwohl sich solche Atemstillstände mehrmals pro Stunde wiederholen können, merkt der Betroffene zunächst meist nichts von der enormen Belastung durch die drohende Erstickung.
Ruhig und erholsam ist solch ein Schlaf nicht. Die Folgen zeigen sich am nächsten Tag. Das körperliche und geistige Leistungsvermögen ist deutlich herabgesetzt. Man fühlt sich wie gerädert, ist chronisch müde und nickt bei jeder Gelegenheit leicht ein. Das Stichwort lautet hier Sekundenschlaf, durch den das Unfallrisiko am Arbeitsplatz oder auch im Haushalt erheblich ansteigt. Auf Dauer kann sich zudem ein Bluthochdruck einstellen oder verschlimmern.
Eine medikamentöse Therapie der Schlafapnoe selbst gibt es leider noch nicht. Wirkungsvoll behandelt werden kann lediglich die Tagesmüdigkeit, wenn diese durch andere therapeutische Maßnahmen nicht in den Griff zu bekommen ist. Der Wirkstoff Modafinil steigert dabei die Wachheit (Vigilanz) und reduziert die Häufigkeit und Schwere von gefährlichen Schlafanfällen am Tage. Die Patienten fühlen sich deutlich wohler, die Schlafapnoe selbst kann das Medikament aber nicht lindern.
Um das Problem Schlafapnoe in den Griff zu bekommen, kann man zunächst selbst einige Maßnahmen treffen. So sollte man versuchen, ein vorhandenes Übergewicht zu verringern. Alkohol, Koffein und Nikotin sollte man ebenso meiden wie Medikamente, die die Atmung verschlechtern (z. B. Beruhigungs- und Schlafmittel). Als hilfreich hat es sich außerdem erwiesen, die Schlafhaltung zu korrigieren. In der Rückenlage fällt die Zunge leichter zurück als in der Seitenlage. Ein Rucksack, gefüllt mit einem Kissen, kann hier gute Dienste leisten oder auch ein in den Schlafanzug eingenähter Tennisball.
Nachdem chirurgische Eingriffe am Kiefer oder im Mund sich als wenig sinnvoll erwiesen haben, ist die erfolgreichste Methode gegen obstruktive Schlafapnoe der Einsatz von nasalen Überdruck-Geräten. Diese Geräte sollen durch einen konstanten Luftdruck die Atemwege offen halten. Die Luft wird dabei über einen Schlauch zu einer Nasenmaske geführt, die der Betroffene beim Schlafen trägt. Der Luftdruck muss individuell eingestellt werden. Am besten erfolgt dies in einem Schlaflabor nach einer ausführlichen Untersuchung und Diagnose. Auch wenn das zunächst umständlich erscheint, so ist es für Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe doch derzeit die einzige Chance, den Organismus zu entlasten und wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.
Narkolepsie: der unbändige Schlafdrang (Zeichen 3.465)
Fast jeder hat das schon einmal selbst erlebt: Man sitzt in einer langen Besprechung oder wohnt einem Vortrag bei, und langsam fallen einem die Augen zu, man nickt ein. Auch eine gewisse Schläfrigkeit nach einem üppigen Mittagessen ist nichts Außergewöhnliches. Wird man vom Schlaf aber des öfteren völlig unvorbereitet und unkontrollierbar während Tätigkeiten übermannt, die eigentlich die volle Aufmerksamkeit erfordern, kann dies ein Hinweis auf eine Krankheit namens Narkolepsie sein.
Die Narkolepsie wurde zum ersten Mal im Jahr 1880 von Jean Baptiste Edouard Gélineau (1859-1906) beschrieben, der den Namen „Narkolepsie“ von den griechischen Worten narkosis (Betäubung) und lepsis (überraschen) ableitete. In Deutschland leiden zwischen 20.000 und 40.000 Menschen an Narkolepsie, wobei bei einem Großteil die Erkrankung allerdings noch gar nicht diagnostiziert ist. Mit der bekannteren Epilepsie hat sie nichts zu tun.
Narkolepsie ist eine chronische, neurologische Erkrankung, die vermutlich auf einen Mangel des Botenstoffes Hypocretin im Gehirn zurückzuführen ist. Dieser spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Schlaf-Wach-Verhaltens. Typisch für fast alle Narkolepsie-Patienten ist, dass sie von einer mehr oder weniger schweren Tagesschläfrigkeit geplagt werden. Im Extremfall kommt es zu sogenannten imperativen Einschlafattacken, gegen die sich der Betroffene nicht zur Wehr setzen kann. Passieren kann dies auch in ungewöhnlichen Situationen, etwa beim Essen oder Autofahren. Ein solcher Schlafanfall kann eine Minute aber auch bis zu einer Stunde andauern. Danach fühlt sich der Patient erfrischt und munter, doch nach einiger Zeit kann es zu einer erneuten Schlafattacke kommen.
Neben der Tagesschläfrigkeit kommt es bei einem Teil der Narkolepsie-Patienten mehr oder weniger häufig zu plötzlichen und kurzen Verlusten der Kontrolle über die Muskeln, die als Kataplexien bezeichnet werden. Bei leichten Kataplexien kann nur die Gesichtsmuskulatur erschlaffen, schwere Anfälle lassen den gesamten Körper zusammensacken, was auf Außenstehende meist sehr dramatisch wirkt. Ausgelöst werden können Kataplexien beispielsweise durch starke Gefühle wie Lachen, Angst, Ärger oder Überraschung. So können einem zum Beispiel die Knie weich werden, wenn jemand einen guten Witz erzählt.
Selbst viele Ärzte können die Symptome der Narkolepsie nicht immer richtig zuordnen. Fälschlicherweise werden sie oft mit denen einer Epilepsie oder Depression verwechselt oder – schlimmer noch – als absichtliche Faulheit missgedeutet. Daher dauert es manchmal viele Jahre bis zu einer korrekten Diagnose.
Man kann der Narkolepsie zwar weder vorbeugen, noch kann man sie heilen; eine Behandlung der Symptome ist aber empfehlenswert, weil sie dem Betroffenen helfen kann, im Alltag und im Berufsleben besser mit seiner Krankheit zurecht zu kommen. Mittel der ersten Wahl für die Therapie der exzessiven Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie ist der Wirkstoff Modafinil. Modafinil erhöht die Wachheit am Tag, indem es auf die Schlaf-Wach-Zentren im Gehirn einwirkt. Die Patienten können so wieder ein fast normales Leben führen. Wenn man vermutet, dass man an einer Narkolepsie leidet, macht es also Sinn, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Steht die Diagnose dann fest, sollte man auch seine Angehörigen, die Arbeitskollegen und den Arbeitgeber darüber informieren, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden.
Warum müssen wir schlafen? (Zeichen 2984)
Obwohl die moderne Schlafforschung große Fortschritte gemacht hat, haftet der Welt des Schlafes und der Träume nach wie vor etwas Mystisches an. Tatsächlich ist die Frage „Warum schlafen wir?“ bis heute im Wesentlichen noch immer unbeantwortet. Es gibt zwar mehrere Erklärungsversuche, doch ein eindeutiger wissenschaftlicher Beweis steht noch aus.
Möglicherweise schlafen Menschen und Tiere, weil ihnen das in der Evolution einen Vorteil brachte. Die Zeit, in der man wach und aktiv ist, wird durch den Schlaf zuverlässig begrenzt. Und im Schlaf wird weniger Energie verbraucht, der Körper schont also seine Energiereserven.
Im Schlaf wird das Gehirn gewartet
Eine andere und die derzeit überzeugendste Theorie geht davon aus, dass der Schlaf der Erholung des Gehirns und des Körpers dient. Aktuell wird hier vor allem über den oxidativen Stress diskutiert: Im Laufe des Tages sammeln sich giftige Abfallprodukte des Stoffwechsels im Gehirn an, und der Schlaf wird deshalb zur Wartung und Reparatur der grauen Zellen gebraucht. Spritzt man Versuchtieren solche Abfallprodukte ins Gehirn, wurde bei Ihnen tatsächlich der Schlaf angestoßen.
Störungen des Schlafs bleiben nicht folgenlos
Dass die komplizierte Regulation des Schlafs auch gestört werden kann, wird am Beispiel der Narkolepsie deutlich. Narkolepsie ist eine chronische, neurologische Erkrankung, die sehr wahrscheinlich auf einen Mangel des Regulatorstoffes Hypocretin im Gehirn zurückzuführen ist. Dieser spielt eine wichtige Rolle bei der Überwachung des Schlaf-Wach-Verhaltens. Typisch für fast alle Narkolepsie-Patienten ist, dass sie von einer mehr oder weniger schweren Tagesschläfrigkeit geplagt werden. Im Extremfall kommt es zu sogenannten imperativen Einschlafattacken, gegen die sich der Betroffene nicht zur Wehr setzen kann. Er schläft dann – zur großen Verwunderung seiner Mitmenschen - in den ungewöhnlichsten Situationen ein. Da man heute Wirkstoffe wie zum Beispiel Modafinil kennt, mit denen die Wachheit (Fachbegriff: Vigilanz) gesteigert werden kann, ist es nun auch medizinisch möglich, den bis zu 40.000 Narkolepsie-Patienten, die in Deutschland leben, so zu helfen, dass sie ihren Alltag bewältigen können und im Berufsleben gut zurecht kommen.
Wie notwendig ein geordneter Schlaf ist, zeigen auch andere Störungen wie beispielsweise die Schlafapnoe. Bei diesen Patienten kommt es im Schlaf aufgrund einer zu starken Erschlaffung der Schlundmuskulatur zu Atemstillständen. Die Folge: Der reguläre Schlafverlauf wird erheblich gestört und die Betroffenen neigen daher tagsüber zu dem gefährlichen Sekundenschlaf. Ganz ähnliche Auswirkungen hat es auch, wenn Schichtarbeiter ihren Körper zu einem Leben gegen die innere Uhr zwingen. Auf Dauer führt dies zu Übermüdung, die Leistungsfähigkeit sinkt, im Extremfall kann es zu Magen-Darm-Erkrankungen kommen. In schweren Fällen kann auch hier eine Therapie mit Vigilanz-steigernden Medikamenten sinnvoll sein.
Wie müde bin ich?
Ein einfacher Test zur Bestimmung der Tagesschläfrigkeit (Zeichen 1.769)
Mit dem folgenden Test (Epworth Sleepiness Scale) kann man in einem ersten Schritt selbst herausfinden, ob man von einer erhöhten Tagesmüdigkeit betroffen ist. Aus diesem Test alleine ergibt sich noch keine Diagnose, er kann dem Arzt aber erste Hinweise auf Probleme mit der Wachheit (Vigilanz) geben. Im Verdachtsfall wird der Arzt weitere Untersuchungen vornehmen, nach den Ursachen forschen und - wenn notwendig – eine Behandlung zum Beispiel mit Wachheits-steigernden Wirkstoffen wie Modafinil einleiten, beziehungsweise Ratschläge zur Verbesserung des Schlafverhaltens und der Schlafhygiene geben.
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie in den folgenden Situationen einschlafen?
Bitte bewerten Sie wie folgt:
0 Punkte: | „Ich würde nie einschlafen“ |
1 Punkt: | „Ich würde kaum einschlafen“ |
2 Punkte: | „Ich würde möglicherweise einschlafen“ |
3 Punkte: | „Ich würde mit großer Wahrscheinlichkeit einschlafen“ |
Die Situationen:
- 1. Beim Sitzen und Lesen
2. Beim Fernsehen
3. Beim untätigen Sitzen in der Öffentlichkeit (z. B. im Theater, einer Sitzung, bei einem Vortrag)
4. Als Beifahrer in einem Auto während einer Stunde ohne Halt
5. Beim Hinlegen für eine Ruhepause am Nachmittag
6. Beim Sitzen während einer Unterhaltung mit einer anderen Person
7. Beim ruhig Sitzen nach einem Mittagessen ohne Alkohol
8. In einem Auto, das an einer Verkehrsampel für wenige Minuten stoppt oder im Verkehrsstau steckt
Zählen Sie bitte Ihre Punkte zusammen. Wenn Sie mehr als 10 Punkte erreicht haben, sollten Sie sich zur weiteren Abklärung an Ihren behandelnden Arzt wenden. Ein Wert von unter 8 Punkten wird als „normal“ angesehen.
Kurzer Selbsttest: Wie gesund ist Ihr Schlaf? (Zeichen 2.141)
Mit der Beantwortung der folgenden 7 Fragen können Sie herausfinden, ob Sie mit einem gesunden Schlaf gesegnet sind oder ob eine Schlafstörung vorliegt.
1. Sind Sie abends vor dem Schlafengehen müde?
Ja, sehr (1 Pkt.)
Ja (0 Pkt.)
Nein (2 Pkt.)
Eher wach (4 Pkt.)
2. Wie lange brauchen Sie zum Einschlafen?
Ich schlafe sofort ein (0 Pkt.)
Ich brauche länger als 10 Minuten (1 Pkt.)
Ich brauche länger als 30 Minuten (4 Pkt.)
3. Schlafen Sie nachts durch?
Ja (0 Pkt.)
Ich wache gelegentlich kurz auf (1 Pkt.)
Ich liege lange Zeit wach (3 Pkt.)
Ich kann oft gar nicht mehr einschlafen (4 Pkt.)
4. Schnarchen Sie nachts?
Nein (0 Pkt.)
Ja (1 Pkt.)
Es wurden schon Atemstillstände beobachtet (5 Pkt.) *
5. Werden Sie morgens zur gewünschten Zeit wach?
Mehr als 60 Minuten zu früh (3 Pkt.)
Etwas früher (10 bis 60 Minuten) (1 Pkt.)
Genau richtig (0 Pkt.)
Es fällt mir nicht leicht (2 Pkt.)
Es fällt mir sehr schwer (4 Pkt.)
6. Wann fühlen Sie sich nach dem Aufstehen frisch und munter?
Sofort (0 Pkt.)
Nach 10 Minuten (1 Pkt.)
Nach dem Frühstück (2 Pkt.)
Erst gegen Mittag (4 Pkt.)
7. Wenn Sie den ganzen Tag betrachten, dann...
...sind Sie durchgehend fit (0 Pkt.)
...sind Sie mittags etwas müder (1 Pkt.)
...sind Sie mittags sehr müde (2 Pkt.)
...sind Sie tagsüber häufiger müde (3 Pkt.)
...schlafen Sie gelegentlich ungewollt ein (5 Pkt.) *
Auswertung:
Wenn Sie weniger als 10 Punkte erreicht haben, haben Sie einen guten bis durchschnittlichen Schlaf. Bei mehr als 10 Punkten ist Ihr Schlaf gestört. Sollten Sie schon länger unter diesen Symptomen leiden, wäre ein Besuch beim Arzt ratsam. Bei mehr als 15 Punkten sollten Sie sich möglichst bald in ärztliche Behandlung begeben. Eventuell ist dann eine Überweisung an einen Schlafspezialisten oder ein Schlafmedizinisches Zentrum sinnvoll.
*) Wenn Sie eine der beiden mit * gekennzeichneten Antworten angekreuzt haben, sollten Sie sofort einen Schlafspezialisten oder ein Schlafmedizinisches Zentrum aufsuchen.
Quelle: Jürgen Zulley u. a., „Die kleine Schlafschule“, Herder, 8,90 Euro
Fotos:
Die nachfolgenden Fotos können per E-Mail angefordert werden unter: roswitha.seim(à)kilian.de.

Foto1: Narkolepsie: Die Augen fallen auch in unpassenden Situationen unwillkürlich zu

Foto 2: Schlechter Schlaf macht tagsüber müde. Quelle: pixland

Foto 3: Schlafapnoe trifft vor allem Männer. Quelle: PhotoDisc

Foto 4: Narkolepsie: Wenn einen die Müdigkeit plötzlich überfällt. Quelle: PhotoAlto

Foto 5: Narkolepsie beeinträchtigt Beruf und Familie erheblich. Quelle: imagesource
V.i.S.d.P.
Herausgeber:
DEUTSCHES GRÜNES KREUZ e.V.
Redaktion:
Dr. Ingolf Dürr (verantw.)
Beleg erbeten an:
Deutsches Grünes Kreuz
im Kilian
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Telefon: 0 64 21 / 2 93 - 174
Telefax: 0 64 21 / 2 93 - 774

