DGK e.V. -Rotaviren oft Ursache für Durchfälle bei Kindern, Sonderpressedienst (pgk) März 2007, eine Woche Klinikaufenthalt für Mutter und Kind, Belastung für Kinder und Eltern, Interview mit Professor Dr. med. Klaus-Peter Zimmer, Universitätskinderklinik Gießen, Ro
Gesundheitsinformationen zu:
Deutsches Grünes Kreuz, Rotaviren oft Ursache für Durchfälle bei Kindern, eine Woche Klinikaufenthalt für Mutter und Kind, Belastung für Kinder und Eltern, Interview mit Professor Dr. med. Klaus-Peter Zimmer, Universitätskinderklinik Gießen, Rotaviren sind kaum zu bremsen, Erkrankungszahlen aus Deutschland, Rotaviren kursieren auf dem Erdball, dem Darm auf die Zotten geschaut, Mein Kind hat Durchfall – was hilft?
skip_nav

Suche

 

Service-Content

Anzeige

Gesundheitslinks

 

www.ibera-online.de
IBERA Impfberatung online

 

www.agmv.de
Arbeitsgemeinschaft Varizellen (AGV)

 

www.forum-schmerz.de
Forum Schmerz

 

www.agmk.de
Arbeitsgemeinschaft Meningokokken (AGMK)

 

www.altern-in-wuerde.de
Altern in Würde (AiW)

www.erna-online.de
Ernährungs- und Allergieberatung
(Seite wird in Kürze umziehen)

 

www.rki.de
Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut

Weitere Links finden Sie hier

 

 


Textanfang / Content

Sie sind hier: Home / Presse / 2007 / 'Rotavirus-Erkrankungen' März 2007
Sonderpressedienst (pgk)
Rotavirus-Erkrankungen
März 2007

Viren sind oft Ursache für Durchfälle bei Kindern
(2.385 Zeichen)

(pgk) Rotaviren, Noroviren, Adenoviren – um gleich vorab die häufigsten Vertreter zu nennen. Sie alle tragen ihr Scherflein dazu bei, dass Säuglinge und Kleinkinder wiederholt an mitunter schweren Durchfallerkrankungen leiden. Ihnen gemeinsam ist, dass wenige Erregerpartikel für eine Ansteckung ausreichen. Es genügen zum Beispiel schon 10 bis 100 Rotaviren, um ein Kind zu infizieren und heftige Durchfälle auszulösen.

Bei Salmonellen – Bakterien, die auch schwere Darminfektionen hervorrufen können – müssen dagegen über 100.000 Erreger in den Körper gelangen, um eine Erkrankung zu verursachen. Zudem sind etwa Rotaviren recht stabil gegenüber Umwelteinflüssen. So erklärt sich auch, dass kaum ein Kind ihnen entgehen kann. Übertragen werden die winzig kleinen Erreger immer über eine Schmierinfektion oder verunreinigte Nahrungsmittel. Rota- und Noroviren können in der akuten Krankheitsphase beim Erbrechen sogar über die Luft übertragen werden.

Rotaviren sind die weitaus häufigste Ursache für akute Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern, und das weltweit. Wiederholte Brechdurchfall-Erkrankungen sind gar keine Seltenheit, denn es gibt unterschiedliche Rotavirustypen.

In Europa sind fünf verschiedene vorherrschend. Und bei jeder Infektion mit einem anderen Virustyp fängt das Immunsystem von vorne an, die Keime mit seinen Abwehrmechanismen abzutöten. Ist die Krankheit ausgebrochen, hilft auch hier nur die symptomatische Therapie, das Ersetzen von Wasser und Salzen steht an erster Stelle. Häufig ist das nur in einer Klinik zu leisten.

Gut verträgliche Schluckimpfstoffe stehen seit dem vergangenen Jahr zur Verfügung, die Babys sicher vor einer Infektion mit Rotaviren schützen. Die Impfung muss früh erfolgen, von der 6. bis zur 26. Lebenswoche werden die Säuglinge geimpft.

Noroviren sind die zweithäufigsten „Übeltäter“ und verursachen bei Kindern etwa ein Drittel aller durch Viren ausgelösten Magen-Darm-Infekte. Noroviren sorgen derzeit für Schlagzeilen, weil Tausende Menschen sich in dieser Wintersaison angesteckt haben. Der übliche Übertragungsweg ist die Schmierinfektion. Das Gefährliche an dieser Erkrankung ist auch der Flüssigkeitsverlust – besonders kleine Kinder und ältere Menschen trocknen sehr schnell aus. Ursächlich wirkende Impfstoffe oder Medikamente gegen das Norovirus gibt es nicht.

Adenoviren sehen fast aus wie Mini-Satelliten. Häufig verursachen sie Atemwegsinfektionen, einige Typen von ihnen können aber auch Durchfallerkrankungen auslösen, die dann vor allem Kinder und Jugendliche betreffen. Die Viren sind gegenüber Umwelteinflüssen sehr stabil. Es existieren keine Medikamente, die die Virusvermehrung unterbinden, nur Symptome können gelindert werden. Eine vorbeugende Impfung gibt es nicht.


Wache rund um die Uhr
Rotaviren – eine Woche Klinikaufenthalt für Mutter und Kind
(2.425 Zeichen)

(pgk) Klara, anderthalb Jahre alt, ein zartes Kind. Bisher war sie in Sachen Infektionen gut davongekommen. Bis ein schwerer Brechdurchfall ausbrach. Essen und trinken wollte sie schon seit zwei Tagen nicht, Brechattacken brachten das kleine Mädchen schnell in einen bedrohlichen Zustand.
Dann kamen schmerzhafte Durchfälle hinzu, die Mutter empfand die Situation zu Recht als sehr beängstigend, und nun führte kein Weg mehr an der Aufnahme in eine Stuttgarter Kinderklinik vorbei. Die Laborwerte zeigten eine starke Dehydrierung, das heißt Wasser- und Salzhaushalt des kleinen Körpers waren stark gestört.

„Ich war wild entschlossen, Klara einen Klinikaufenthalt zu ersparen. Aber man nimmt schnell wieder Abstand von solchen Vorsätzen, wenn man sieht, wie extrem schnell ein Kind abbaut“, schildert die Mutter die Situation. Die Augen des kleinen Mädchens waren eingefallen, sie war völlig apathisch.
Eine ursächliche Behandlung gegen Rotavirus-Infektionen gibt es nicht, das Abwehrsystem muss die Viren selbstständig bekämpfen. Aber Infusionen helfen dem Körper, die Erkrankung zu überwinden, die Zufuhr von Flüssigkeit und Salzen ist lebensrettend.

Eine Woche verbrachte Klaras Mutter Tag und Nacht am Bett ihres Kindes in der Klinik, dazu noch auf einer Isolierstation. Sie konnte ihre Tochter gar nicht mehr richtig anziehen, die Durchfälle und der ständige Wechsel der Infusionsflaschen machten jeden Versuch, die Kleidung zu wechseln, zunichte. Besonders die Nächte waren sehr unruhig, Krämpfe quälten das Kind, und eine wärmende Flasche auf ihrem Bauch wehrte sie ab – offenbar war ihr der Druck unangenehm.

Klaras Mutter war mit unendlicher Geduld damit beschäftigt, das Mädchen zum Essen einer Salzstange zu bewegen; gerade diese Hilflosigkeit empfand sie als zermürbend. Und als Klara nach einer Woche endlich soweit wiederhergestellt war, kamen zwei „Geschaffte“ zu Hause an: Klara und ihre Mutter.

Für Babys, die jetzt zur Welt kommen, ist das Leben leichter: Schluckimpfstoffe sind seit 2006 auf dem Markt. In großen Zulassungsstudien erwiesen sich die neuen Impfstoffe als sehr gut verträglich und hochwirksam. Fast 100 Prozent der schweren Erkrankungen und Klinikaufenthalte können dadurch verhindert werden. Weil die Impfstoffe recht neu sind, hat die Ständige Impfkommission noch keine Empfehlung ausgesprochen (Stand Februar 2007). Allerdings hat die Deutsche Akademie für Kinder und Jugendmedizin e. V. (DAKJ), der Dachverband aller Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendärzte, bereits empfohlen, dass Säuglinge sehr früh im ersten Lebensjahr, nämlich bereits ab sechs Wochen mit der Schluckimpfung gegen Rotaviren versorgt werden. Mit 24 bis 26 Wochen (je nach Impfstoff) sollte die Impfung abgeschlossen sein. Die Infektionen verlaufen gerade im ersten Lebensjahr schwer, so dass ein früher Schutz wichtig ist.


Rotavirus-Erkrankungen belasten Kinder und Eltern schwer
(4.021 Zeichen)

(pgk) Interview mit Professor Dr. med. Klaus-Peter Zimmer, Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Gießen; Vorsitzender der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e. V. (GPGE)

Rotaviren und Noroviren sind häufige Erreger von akuten Magen-Darm-
Infektionen. Welche Unterschiede sind zu nennen?

Von der Klinik her lassen sich die Infektionen nicht auf den ersten Blick unterscheiden. Rotaviren verursachen weltweit 70 Prozent der schweren Durchfallerkrankungen bei Kindern, in unseren Breiten erkranken Kinder meist im Alter zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Es gibt kaum ein Kind, das sich nicht irgendwann ansteckt.

Typischerweise beobachtet man die meisten Rotavirus-Krankheitsfälle im Frühjahr. 2006 traten laut Robert Koch-Institut (RKI) etwa 67.000 Fälle auf, es werden aber längst nicht alle Fälle gemeldet oder gar nicht erst diagnostiziert.

Noroviren sind weniger „saisonabhängig“. Sie sind bei Kindern „nur“ für etwa ein Drittel der durch Viren ausgelösten Magen-Darm-Infektionen verantwortlich, und sie spielen vor allem auch bei älteren Erwachsenen eine Rolle. 2006 erkrankten laut Meldungen ans RKI knapp 76.000 Menschen. Nach einer Norovirus-Infektion wird keine langfristige Immunität aufgebaut; Impfstoffe dagegen zu entwickeln, dürfte deshalb schwierig sein.

Wieviele Kinder erkranken jedes Jahr in Deutschland an Rotaviren?

Die Krankheitslast ist in der Tat bedeutend. Etwa 256.000 Kinder erkranken jedes Jahr, bei 22.000 davon ist der Verlauf so schwer, dass eine Einweisung in die Klinik erfolgt. 145.000 Kinder werden dem niedergelassenen Kinderarzt vorgestellt und müssen ambulant behandelt werden.

Wie sieht die Therapie aus?

Man kann nur symptomatisch therapieren, mit den Viren muss das Immunsystem selbst fertig werden. Erbrechen und Durchfälle lassen gerade Säuglinge und Kleinkinder sehr rasch austrocknen, der Mediziner spricht von Exsikkose. Die Exsikkose ist immer auch mit einer Störung der Elektrolyte, also des Salz- und Säure/Basenhaushaltes verbunden. Das ist bei fast 60 Prozent der kleinen Patienten, die in die Klinik eingewiesen werden, zu sehen und kann rasch bedrohliche Ausmaße annehmen. Fünf Prozent der stationär aufgenommenen Kinder entwickeln außerdem einen Fieberkrampf, dem man medikamentös entgegenwirken muss.

Die ausreichende Flüssigkeitszufuhr stellt eine große Herausforderung an die Eltern dar. Die Flüssigkeit muss in Form von so genannten oralen Rehydratationslösungen (ORL), die eine optimale Elektrolyt-Zusammensetzung haben, löffelweise in kurzen Abständen erfolgen. Größere Mengen werden oft gleich wieder erbrochen.

Häufig gelingt dieses Vorgehen aber nicht, und Flüssigkeit und Salze müssen künstlich über eine Magensonde oder mittels Infusion zugeführt werden. Das heißt, dass die Kinder stationär aufgenommen werden und die Substitution zum Beispiel i.v., also über ein Blutgefäß, erfolgt. Das ist sehr belastend für die Kinder. In der Regel bleibt auch die Mutter bei ihrem Kind, das bedeutet bis zu fünf Tage Klinikaufenthalt. So ist nicht nur das kranke Kind, sondern auch die ganze Familie stark mitbelastet.

Seit vergangenem Jahr gibt es Rotavirus-Schluckimpfstoffe.
Ist das die Lösung?

Die Ausbreitung der Rotaviren lässt sich ja auch mit strengster Hygiene kaum verhindern. Das ist gerade auch in Kinderkliniken ein großes Problem. Deswegen sind die neuen Impfstoffe ein Durchbruch in der Prävention von Rotavirus-Erkrankungen. Sie sind sehr gut verträglich, das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Die hohe Wirksamkeit wurde in großen Studien bestätigt; eine schwere Verlaufsform, die eben oft einen Klinikaufenthalt erforderlich macht, verhindert die Impfung zuverlässig.

Alle Kinder können von der Impfung profitieren, auch Frühgeborene. Wichtig ist, dass die Kinder früh geimpft werden, also ab der vollendeten sechsten Lebenswoche; die erste Dosis sollte nicht nach der zwölften Lebenswoche verabreicht werden. Der Nestschutz, den die Mutter dem Baby eventuell während der Schwangerschaft „verliehen“ hat, ist dann abgebaut. Die Impfung muss bis zur 24. bzw. 26. Lebenswoche – je nach Impfstoff – abgeschlossen sein.

Die Krankheit kostet viel Geld, aber sind nicht auch die neu entwickelten Impfstoffe ein Kostenfaktor?

Das stimmt, allerdings darf das meiner Meinung nach nicht die alleinige Diskussionsebene sein. Wir – Kinderärzte und Gesundheitspolitiker – sollten ethische Aspekte wieder stärker berücksichtigen. Das heißt, jegliches Leid, das Kinder durch Krankheiten erfahren könnten, sollte mit hoher Priorität verhindert werden. Das heißt in diesem Fall: Kinderärzte sollten den Eltern die Rotavirus-Schluckimpfung anbieten.


Rotaviren sind kaum zu bremsen
(2.627 Zeichen)

Rotaviren sind kaum zu bremsen (pgk) Eigentlich wirken sie recht harmlos und ansprechend in ihrer Radspeichenstruktur – allerdings nur unter dem Elektronenmikroskop. Denn Rotaviren haben es in sich: Sie sind der häufigste Durchfallerreger bei Kindern unter fünf Jahren. Die kleinen Patienten können nichts bei sich behalten: Bis zu 20 Brech- und Durchfallattacken durchschütteln den Kinderkörper jeden Tag. Das ist extrem belastend für den Organismus, und es besteht die große Gefahr des Austrocknens aufgrund des hohen Flüssigkeitsverlustes – das kann bei Babys sehr schnell gehen. Foto: BananaStock

2006 wurden fast 67.000 durch Rotaviren verursachte Krankheitsfälle an das Robert Koch-Institut gemeldet. Man geht allerdings von einer deutlichen Untererfassung aus, die Zahlen dürften also deutlich höher liegen. „Am häufigsten sind Kinder in den ersten Lebensjahren betroffen, der Inzidenzgipfel liegt zwischen dem 6. und dem 24. Lebensmonat,“ erklärt Professor Christel Hülße, Mitglied der Ständigen Impfkommission und Leiterin der Sektion Impfen beim Deutschen Grünen Kreuz e. V.

Rotaviren kommen weltweit vor, sie sind für mehr als 70 Prozent aller schweren Durchfallerkrankungen bei Kindern verantwortlich. Es gibt einen ganzen „Clan“ von Viren, die Mediziner beobachten vor allem fünf verschiedene Rotavirustypen, die in Europa zirkulieren. Kinder erkranken meist in den ersten beiden Lebensjahren zum ersten Mal. Wiederholte Infektionen sind aber häufig, da es ja verschiedene Rotavirustypen gibt. Jedes Mal muss sich das kindliche Immunsystem erneut damit auseinandersetzen und die Abwehr aufbauen.

Bemühungen, das Rotavirus durch Hygienevorkehrungen in Schach zu halten, sind nur selten von Erfolg gekrönt. Es ist sehr umweltresistent. Der Erreger wird hauptsächlich über Schmierinfektionen oder verunreinigte Gegenstände, Lebensmittel und Wasser übertragen. In der akuten Krankheitsphase ist aber auch in seltenen Fällen eine Ansteckung über die Atemluft möglich. Trockene Raumluft, gerade im Winter, begünstigt die Ausbreitung der Keime. Schon 10 bis 100 Viruspartikel genügen für eine Ansteckung. Das erklärt auch, dass in Kindereinrichtungen und auch Kinderkliniken gehäuft Fälle beobachtet werden. Erkrankte scheiden die Viren in hoher Zahl und über bis zu zwei Wochen aus.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es aber eine patente Lösung: Rotavirus-Schluckimpfstoffe, die ein Baby schon mit 6 Wochen das erste Mal bekommen kann, im Alter von 26 Wochen muss die Impfung abgeschlossen sein. Zwei bis drei „Schlucke Impfstoff“ – je nach verwendetem Impfstoff – bewahren Kinder sicher vor der Infektion, den heftigen Durchfällen und den nicht selten nachfolgenden Klinikaufenthalten.

Das sollten Sie wissen: Leidet ein Kind unter sechs Jahren an einer infektiösen Magen-Darm-Erkrankung, darf es gemäß Infektionsschutzgesetz nicht in die Gemeinschaftseinrichtung. Mindestens zwei Tage müssen die Symptome abgeklungen sein und der Stuhl wieder „Form angenommen“ haben. Erst dann darf das Kind wieder zurück zu den Spielkameraden. Auf diese Weise soll der Ausbreitung der Erreger entgegengewirkt werden.


Rotavirus-Erkrankungen – die Zahlen aus Deutschland
(2.173 Zeichen)

(pgk) Kinder bis drei Jahre haben fast keine Chance, einer Infektion mit Rotaviren zu entgehen. Rotaviren verursachen gerade bei Säuglingen und Kleinkindern schwere Brechdurchfälle.

Studien konnten zeigen, dass nicht nur in Entwicklungsländern erhebliche Probleme bestehen. Auch in Europa erkranken über vier Millionen Menschen, und über 100.000 Krankenhauseinweisungen werden jedes Jahr bei Kleinkindern registriert.

In Deutschland selbst rechnen Experten mit etwa 145.000 Fällen bei Kindern unter fünf Jahren, bei denen der Kinderarzt konsultiert werden muss. Bei etwa 22.000 Kindern ist der Verlauf so heftig, dass sie in eine Klinik eingewiesen werden müssen. Oft ist dies der Anfang eine Krankheitsserie, die von der Kinderstation ausgeht: Schätzungsweise 16.000 und 18.000 Kinder stecken sich dort an.

Die Bandbreite der Krankheitsschwere reicht vom harmlosen Verlauf ohne oder nur mit milden Symptomen bis hin zu lebensbedrohlichen Situationen. Diese treten ein, weil der Kinderkörper aufgrund des hohen Wasserverlustes durch Erbrechen und Durchfälle sehr rasch austrocknet. Vorhersehbar ist ein Verlauf aber nicht, das heißt Eltern und Kinderärzte müssen die Entwicklung wachsam beobachten, um schon im Zweifelsfalle rechtzeitig eine stationäre Behandlung einzuleiten.

Die Tabelle gibt Erkrankungszahlen aus Deutschland der vergangenen sechs Jahre wieder, die aufgrund des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) an die Gesundheitsbehörden übermittelt und ans Robert Koch-Institut gemeldet wurden. In aktuellen epidemiologische Studien wurden allerdings weit höhere Fallzahlen ermittelt. Grund ist, dass leichter verlaufende Fälle nicht gemeldet werden und außerdem längst nicht immer eine Labordiagnose gestellt wird.

2006

2005

2004

2003

2002

2001

Gesamt

66.993

54.289

37.813

46.128

52.371

47.610

Baden-Württemberg

4.619

3.113

2.716

3.392

4.817

5.083

Bayern

7.945

6.163

4.122

4.541

5.010

4.546

Berlin

2.188

2.471

1.511

1.664

2.075

1.594

Brandenburg

4.218

3.719

2.427

2.851

2.990

2.351

Bremen

316

238

144

307

229

264

Hamburg

1.420

1.040

680

737

769

780

Hessen

2.576

2.083

1.768

2.017

2.093

1.867

Mecklenburg-Vorp.

3.974

3.405

2.614

2.887

4.047

2.397

Niedersachsen

5.293

3.523

2.488

3.282

3.245

4.059

Nordrhein-Westfalen

10.429

7.782

4.861

5.816

6.450

6.166

Rheinland-Pfalz

3.239

2.368

2.002

2.733

2.575

2.044

Saarland

621

502

305

513

553

419

Sachsen

10.233

8.865

5.624

7.773

8.578

7.221

Sachsen-Anhalt

4.051

4.456

3.014

3.537

3.937

4.466

Schleswig-Holstein

1.254

994

658

814

857

1.059

Thüringen

4.611

3.565

3.261

2.877

3.565

4.611


(SurvStat, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 26.02.2007)


Rotaviren kursieren auf dem Erdball
(1.906 Zeichen)

(pgk) Kaum ein Kind entgeht ihnen. Rotaviren sind sozusagen Globetrotter und kommen weltweit vor. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken 138 Millionen Menschen jedes Jahr, ganz überwiegend Säuglinge und Kleinkinder. In Entwicklungsländern kommen Säuglinge durch diese Erreger von schweren Durchfallerkrankungen rasch in eine lebensbedrohliche Situation. Besonders in Afrika und Südamerika sowie auf dem indischen Subkontinent ist die medizinische Versorgung oft nicht ausreichend, so dass Kinder nicht überleben. Zwischen 400.000 und 600.000 Kinder sterben in jedem Jahr an Rotavirus-Infektionen.

Auch in unseren Breiten kann es kritisch werden, wenn dem enormen Wasser- und Elektrolyt-(Salz-)Verlust zu spät entgegengesteuert wird. Mit den uns verfügbaren medizinischen Mitteln werden die Kinder aber in den meisten Fällen wieder gesund. Allerdings muss man wissen, dass nur symptomatisch behandelt werden kann, also etwa der Wasser- und Salzverlust mittels spezieller Trinklösungen oder Infusionen ausgeglichen wird. Mit den Viren muss das Immunsystem des Patienten selbst fertig werden. Und das dauert einige Tage. Solange haben Eltern, Pflegepersonal und Ärzte alle Hände voll zu tun.

Rotavirus
Rotavirus
Foto: Centers for Disease Control and Prevention

Das Rotavirus wird über Schmierinfektion, über verunreinigte Gegenstände, Lebensmittel oder Wasser und im akuten Krankheitsstadium sogar über die Atemluft übertragen. Die Viren sind hochgradig ansteckend, 10 bis 100 Viruspartikel sind ausreichend.

Auch die hierzulande guten hygienischen Voraussetzungen genügen nicht, die Virusausbreitung zu unterbinden. Die Erreger vermehren sich in den Schleimhäuten des Dünndarms, und ein bestimmtes Virusprotein entfaltet eine regelrecht toxische Wirkung. Viele Dünndarmzellen sterben ab. Der Körper will diesen Verlust ausgleichen, bildet viel neue Schleimhaut und schießt dabei über das Ziel hinaus.

Außerdem produzieren intakte Zellen des Darms Flüssigkeit und geben sie ins Darmlumen ab. Nährstoffe und auch lebenswichtige Mineralien können nicht mehr aufgenommen werden, die Darmbewegungen sind gestört. Und das betroffene Kind leidet unter Erbrechen und den häufigen, schmerzhaften Durchfallattacken, die bis zu 20 Mal am Tag auftreten können.


Dem Darm auf die Zotten geschaut
(1.765 Zeichen)

(pgk) Was passiert eigentlich mit dem Brötchen, dem Keks und dem Glas Saft? Auch wenn es sich merkwürdig anhört: Die Verdauung beginnt schon im Mund. Dort leisten die im Speichel enthaltenen Enzyme eine grobe Vorarbeit. Kauen Sie mal eine Weile auf Vollkornbrot – das schmeckt plötzlich süß, weil durch Enzyme die Stärke in Zucker aufgeschlossen wird. Der Magen schließt später mit seiner Säure Eiweiße auf und emulgiert Fette. Durch den „Pförtner“ gelangt der Nahrungsbrei vom Magen in den Dünndarm.

Babys Bauch „im Überblick“ Babys Bauch „im Überblick“
Grafik: medialog Marburg


Der Dünndarm gliedert sich in drei Teile: Duodenum („Zwölffingerdarm“), Jejunum und Ileum. Auf insgesamt etwa fünf Metern windet er sich durch den Bauchraum. Im Dünndarm findet die eigentliche Nahrungsaufnahme und die Verwertung der Nahrungsbestandteile statt. Die Einzelteile – Moleküle wie Glukose, Fette oder auch lebenswichtige Mineralstoffe wie Kalium und Kalzium – gelangen nun über die Darmschleimhaut ins Blut und können so den gesamten Organismus erreichen.

Um diesen Ansturm überhaupt bewältigen zu können, hat die Natur sich etwas Schlaues einfallen lassen. Die Oberfläche des Dünndarms ist dadurch immens vergrößert, da sich die Schleimhaut in so genannte Zotten und Falten legt. Falten sind deutliche Erhebungen mit einem „Bindegewebssockel“, Zotten sind kleine fingerförmige Schleimhautausstülpungen.

Im Zwölffingerdarm münden die Gänge aus Leber und Bauchspeicheldrüse, deren Verdauungssäfte im Dünndarm ihre Wirkung entfalten. Die Gallensäuren der Leber sind wichtig für die Fettverdauung, die verschiedenen Enzyme des Pankreas schließen Eiweiße weiter auf, ebenso Fette und Kohlenhydrate.

Der Dickdarm und der Enddarm sind die letzten Abschnitte des Verdauungskanals. Im Dickdarm werden Wasser und Elektrolyte den unverdaulichen Resten des Nahrungsbreis entzogen und dem Körper wieder zugeführt. Außerdem siedeln im Dickdarm Bakterien, zum Beispiel Lactobazillen und Escherichia coli. Die Bakterien sind für eine normale Darmtätigkeit wichtig, bauen unverdauliche Reste weiter ab und produzieren außerdem für uns lebenswichtige Vitamine.


Mein Kind hat Durchfall – was hilft?
(2.155 Zeichen)

(pgk) Durchfallerkrankungen und Brechdurchfälle trocknen den Körper sehr rasch aus. Gerade bei Säuglingen, kleinen Kindern und auch älteren Menschen besteht diese Gefahr. Flüssigkeit und Salze müssen schnell ersetzt werden, und das in großen Mengen: drei bis vier Liter geeignete Flüssigkeit bei Erwachsenen, bei Kindern etwas weniger.

Das empfehlen Ärzte: Mineralwasser (ohne oder mit wenig Kohlensäure), verschiedene Kräutertees (z. B. Kamille, Fenchel) und auch stark verdünnte Fruchtsäfte. Elektrolytlösungen aus der Apotheke sind ebenfalls geeignet. Säuglingen und Kindern löffelt man den Tee am besten portionsweise ein, sie spucken sonst die mühsam eingeflößte Flüssigkeit zu leicht wieder aus.

Wenn der Appetit sich langsam wieder meldet und der Kinderbauch Hunger verspürt, dürfen es zunächst nur leichte „Stärkungsmittel“ sein, also geriebene Äpfel und pürierte Bananen – schmeckt auch zusammen richtig lecker –, gekochte Haferflocken und Kartoffelbrei, Zwieback, später auch mageres gekochtes Fleisch oder eine Brühe, klar oder aus frischen Möhren zubereitet. Scharfes und Fettes sowie Milchprodukte sollten in den ersten Tagen tabu sein, meist verspürt der kleine Patient aber ohnehin eine Abscheu dagegen. Präparate mit Lactobazillen können den Heilungsprozess und die Abwehr im Darm unterstützen. Die zerstörte Darmflora kann so wieder aufgebaut werden.

Professor Dr. Michael Radke, Chefarzt der Kinderklinik des Klinikums Ernst von Bergmann in Potsdam und Beirat der Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e. V. (GPGE), rät Eltern, ihren erkrankten Kindern Arzneimittel nicht „in Eigenregie“ zu geben. Dies sollte stets nur nach Absprache mit dem Arzt erfolgen. Manche Präparate gegen Durchfall und Erbrechen sind vor allem bei Kindern nicht geeignet, sie können sogar im Gegenteil Schaden anrichten.

Kind auf Töpfchen Kind auf Töpfchen
Foto: BananaStock


Folgende Symptome deuten auf eine schwere Erkrankung hin, mit der Sie mit Ihrem Kind sofort zum Arzt sollten:

    • länger als 6 Stunden dünner, wässriger Stuhl
    • Müdigkeit, Apathie
    • Fieber und Erbrechen
    • eingesunkene Fontanelle
    • seltener Lidschlag
    • geringe Urinproduktion
    • Kind ist trinkfaul oder verweigert die Nahrung


An gewissenhafter Hygiene kommt keiner vorbei, wenn ein Patient mit akuter Magen-Darm-Erkrankung im Haus ist: Hände stets gründlich mit Seife unter fließendem warmen Wasser waschen. Direkten Kontakt zu Stuhl oder Erbrochenem vermeiden, indem man zum Beispiel Gummihandschuhe anzieht, verschmutzte Wäsche muss mit Waschmittel bei 60° C gewaschen werden.

Hinweis:

Kostenlose Impfsprechstunde beim Deutschen Grünen Kreuz e. V. immer dienstags von 10 bis 12 Uhr, Telefonnummer 0 64 21 / 293 – 188.

Brosch_KinderbauchDie Broschüre „Gesunder Bauch – zufriedenes Kind“ kann gegen Einsendung eines mit 1,45 Euro frankierten DIN A5-Rückumschlages angefordert werden bei:
Deutsches Grünes Kreuz e. V.
Stichwort Gesunder Bauch
Schuhmarkt 4
35037 Marburg.


SERVICE

Bildmaterial

Fotos können von Redaktionen kostenlos per E-Mail angefordert werden unter: presseservice(à)kilian.de


Ansprechpartner

Bei Fragen, Anregungen oder Wünschen können Sie sich gerne wenden an:
Dr. Ute Arndt, Telefon: 0 64 21 / 2 93 - 1 16, E-Mail: ute.arndt(à)kilian.de

 

Fusszeile / Impressum