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animal, Jg. 4, 2 - 2006
Zeckenalarm!
Die richtige Prophylaxe gegen die gefährlichen Krankheitsüberträger
(4.880 Zeichen)
(animal) Kleine Vampire mit großer Wirkung: Zecken im Hunde- oder Katzenfell sind nicht nur eklig, sondern auch gefährlich. Die Blutsauger können auch den Vierbeiner mit lebensgefährlichen Krankheiten infizieren. Mit vorbeugenden Maßnahmen kann man Borreliose und Co. den Kampf ansagen.
Kaum steigen die Temperaturen über zehn Grad Celsius, werden Zecken aktiv. Hunde, die durch Wald und Wiese stromern, fangen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die kleinen Blutsauger ein. Die Stich der Parasiten ist nicht bloß lästig und verursacht heftigen Juckreiz oder Schwellungen, sondern ist unter Umständen auch gefährlich. So können die kleinen Spinnentiere beim Hund bedrohliche Krankheiten übertragen wie zum Beispiel Borreliose, Ehrlichiose, Babesiose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Gegen die Borreliose wird für Hunde im Gegensatz zu Menschen ein Impfstoff angeboten, der in seiner Wirkung in Deutschland allerdings fraglich ist. Der Impfstoff gegen Babesiose ist in Deutschland nicht zugelassen. Gegen die anderen Krankheiten kann man nicht impfen.
Um Waldi, Bello und Co. vor ungebetenem Besuch zu schützen oder den kleinen Biestern den Appetit zu verleiden, bietet der Handel eine Vielzahl von Produkten an. Zur Auswahl stehen Halsbänder, Sprays, Spot-on-Präparate, Pulver oder Shampoos. Viele dieser Anti-Parasitika sind mittlerweile auch in Apotheken oder Drogerien erhältlich. Doch nicht alle Zeckenmittel sind wirksam oder für jeden Hund geeignet. Welches Produkt für Ihren Vierbeiner in Frage kommt, erfahren Sie am besten bei Ihrem Tierarzt. Nur dieser kann Sie ausführlich beraten und auf mögliche Nebenwirkungen aufmerksam machen.
Viele Sprays oder Pulver sind nur wenig wirksam. Zudem stört der oft starke Geruch Zwei- wie Vierbeiner gleichermaßen. Bei Spot-on-Präparaten werden die Tropfen direkt ins Nackenfell der Hunde geträufelt. Der Wirkstoff verteilt sich innerhalb eines Tages und lagert sich in der obersten Hautschicht ein. Diese Behandlung muss regelmäßig alle vier Wochen durchgeführt werden. Einige der Produkte sind hochwirksam, andere nur mäßig. Fast alle Spot-on-Produkte gegen Zecken enthalten problematische Inhaltsstoffe. Auch hier hilft der Tierarzt bei der Wahl des richtigen Mittels und gibt Tipps für die Anwendung.
Bei den Halsbändern gibt es große Qualitätsunterschiede. Bevor Sie unnötig Geld ausgeben, sollten Sie daher Ihren Tierarzt fragen, welche Produkte sinnvoll sind. Ein Nachteil von Halsbändern ist, dass sie oft gesundheitsbedenkliche Wirkstoffe enthalten. Zudem müssen die meisten möglichst vor dem Kontakt mit Wasser abgenommen werden.
Inzwischen gibt es jedoch ein Halsband, das den gegen Zecken, Milben und andere Insekten hochwirksamen und für Hunde ungiftigen Stoff Deltamethrin enthält. Dieser Stoff breitet sich durch die Lipid(Fett-)schicht der Hundehaut über den ganzen Körper aus, da er im Blut unlöslich ist. Die Abgabe erfolgt direkt und ausschließlich auf das behandelte Tier. Der Vorteil: Deltamethrin wirkt nicht nur gegen Zecken, sondern auch gegen Sandmücken, die – vor allem im Mittelmeerraum – Leishmaniose übertragen. Das geruchlose Protectorband, das auch im Wasser nicht abgenommen werden muss, wirkt bis zu sechs Monate.
Der Wirkstoff wird weltweit in enormen Mengen produziert und in der Landwirtschaft großflächig als Insektizid eingesetzt. Er gilt als das effektivste aller bekannten Insektizide und Akarizide (Milben abtötende Gifte). Eine toxische Wirkung auf Säuger und Vögel ist dagegen nur bei extremer Überdosierung nachweisbar. Für Fische und andere im Wasser lebende Organismen kann der Wirkstoff schädlich sein. Aus dem Protectorband kann allerdings kaum Wirkstoff ins Wasser übergehen, da er in einem wasserabweisenden Komplex gebunden ist.
Ein altes Hausrezept rät zu Knoblauch. Es ist allerdings nicht nachgewiesen, dass die Knolle als Futterbeigabe oder Körperspray zuverlässig wirkt. Auf jeden Fall sollte der Hund nach jedem Spaziergang und die Katze mindestens einmal täglich nach Zecken abgesucht werden. Bevorzugte „Andock-Stellen“ sind die gefäßreichen, dünnhäutigen Partien an Kopf, Hals, Schultern und Achseln.
Der Holzbock, unsere heimische Zecke (Ixodes ricinus)
Ist der Holzbock mit gefährlichen Erregern infiziert, wie Borrelien, Anaplasmen und FSME-Viren, kann er diese während seiner Blutmahlzeit übertragen. Borrelien können beim Hund Gelenkentzündungen verursachen, die ein wechselseitiges Hinken sowie Fieber bewirken.
Ixodes ricinus (li) und D. reticulatus (re) (beides Weibchen).
Foto: R. Friedrich
Anaplasmen befallen Blutzellen und bewirken eine Erkrankung, die als Anaplasmose bezeichnet wird. Ihre Symptome sind unter anderem Fieber, Gewichtsverlust, Schlappheit, Schwellungen an den Gliedmaßen, Beeinträchtigungen des Zentralnervensystems sowie Gelenkentzündungen. FSME-Viren verursachen – anders als beim Menschen – beim Hund nur ganz selten schwere neurologische Symptome.
Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus)
Die Auwaldzecke hat sich mittlerweile in vielen Gegenden Deutschlands stark ausgebreitet. In den Isarauen bei München, in der Regensburger Gegend, im Oberrheingebiet, Saarland und in der Region Berlin und Brandenburg sind diese Zecken mit Babesien infiziert.
Dermacentor reticulatus (Männchen) Körperlänge 4 mm. Foto: R. Friedrich
Sie sind die Erreger der gefährlichen, manchmal sogar tödlich verlaufenden Babesiose. Ähnlich wie bei der Malaria werden durch die Babesien die roten Blutkörperchen beim Hund zerstört.
Die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus)
Die braune Hundezecke ist ursprünglich eine mediterrane Art, wird allerdings auf Grund des zunehmenden Hundetourismus vermehrt nach Deutschland eingeschleppt. In beheizten Räumen/Zwingern ist sie mancherorts auch nördlich der Alpen heimisch geworden. Sie überträgt Babesien sowie gefährliche Ehrlichien.
Lebensbedrohliche Magendrehung
Der Albtraum besonders von Besitzern großer Hunde
(3.762 Zeichen)
(animal) Die Magendrehung des Hundes ist eine lebensbedrohliche akute Erkrankung, die ohne Behandlung nach wenigen Stunden zum Tode des Tieres führt. Die Krankheit entsteht durch eine Magenverlagerung und dadurch eine Ansammlung von Gas im Magen, die oft mit einem Herz-Kreislaufschock einher geht. Wenn auch die Ursache bisher nicht vollständig geklärt ist, konnten dennoch in einer neueren Untersuchung einige Risikofaktoren identifiziert werden.
Über elf Monate wurde bei Hundebesitzern eine Internet-Befragung durchgeführt. Insgesamt wurden 882 Fragebögen ausgewertet, bei denen die Betroffenen von einer Magendrehung ihres Hundes berichteten. Folgende Tatsachen ergeben sich:
- In den meisten Fällen war den Besitzern nicht bekannt, dass Eltern, Geschwister oder Nachkommen eine Magendrehung hatten.
- Betroffen waren in der Reihenfolge der Häufigkeit folgende Rassen: Schäferhunde, deutsche Doggen, Mischlinge, Dobermann, Briards, Berner Sennenhunde, Riesenschnauzer, Irische Wolfshunde, Hovawarts, Rottweiler, Landseer, Leonberger, Bernhardiner, Neufundländer, Kuwasz, Irish Setter, Deutsch-Drahthaar und selten einige andere Rassen. Es muss aber gesagt werden, dass über die allgemeine Verteilung der Rassen in Deutschland keine Angaben gemacht werden können. Kleinere Hunde erkrankten offenbar sehr selten.
- Dies entspricht auch den Antworten zur Größe der Hunde: Die durchschnittliche Größe (Widerrist) lag bei 66,6 + 10,2 cm, nur etwa fünf Prozent der Hunde waren kleiner als 50 cm.
- Die meisten Hunde wurden in der Wohnung gehalten.
- Es waren mehr Rüden als Hündinnen betroffen (491 zu 391). Auch dabei muss betont werden, dass diese Zahl ohne Vergleichsgruppe (wie viele Rüden gibt es im Vergleich zu Hündinnen) nicht aussagekräftig ist.
- Das Alter der Hunde schwankte von jünger als ein Jahr bis zu 18 Jahre, im Mittel lag es bei 6,9 + 3,1 Jahre. Die meisten Hunde waren jedoch über vier Jahre, und der Gipfel lag im Alter von acht Jahren mit etwa 15 Prozent der erkrankten Hunde.
- Das Gros der Hunde war normalgewichtig (688), nur wenige übergewichtig (27), viele aber zu dünn (159).
- Über die Hälfte der Hunde wurden von ihren Besitzern als ruhig eingestuft (498), 206 als lebhaft oder normal und 171 als hektisch.
- Mehr als 90 Prozent der Hunde wurden ausschließlich oder nahezu ausschließlich mit kommerziellem Trockenfutter gefüttert. Etwa die Hälfte der Hundehalter hatte dieses Futter vorher nicht eingeweicht.
- Mehr als ein Drittel der Besitzer verabreichten ihrem Hund das Futter nur einmal täglich (310), die meisten zweimal (459) und nur ein geringer Teil häufiger.
- Die Geschwindigkeit des Fressens spielt offenbar keine Rolle (schnell fraßen 412, langsam 456 Hunde).
- Der Standort des Futternapfes war in 485 Fällen auf dem Boden, 377 Hunde bekamen ihren Napf hoch gestellt.
- Mit gut einem Drittel der Hunde (361) wurde gearbeitet (Agility, Begleithundeausbildung, Jagd, Hundesport, Rettungshundearbeit etc.).
- Mehr als die Hälfe der Hunde (518) waren beim Auftreten der Symptome im Haus, die meisten ruhten oder schliefen (506), und nur 262 der Hunde befanden sich in Bewegung (Spaziergang, Laufen im Garten u.Ä.). Bei nur 32 Hunden wurde von den Besitzern ein Zusammenhang mit Nahrungs- oder Wasseraufnahme hergestellt.
- Am häufigsten trat die Magendrehung am Abend zwischen 20 und 24 Uhr auf (406 Hunde), gefolgt vom Nachmittag (215) und gleichhäufig (je 112) am Vormittag und nachts nach 24 Uhr.
In der Untersuchung wurden wichtige Risikofaktoren erkannt, die in ähnlicher Weise bereits von anderen Autoren vermutet wurden. Einige frühere Annahmen, wie etwa dass ein erhöhter Standort des Fressnapfes die Magendrehung fördert oder dass lebhafte Hund häufiger erkranken, konnten widerlegt werden.
Zusammenfassung zum Risiko der Magendrehung:
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Quelle:
Petra Hellweg und Jürgen Zentek: Risikofaktoren im Zusammenhang mit der Magendrehung des Hundes. Zeitschr. Kleintierpraxis, 50 (10), 2005: 611-620
Gütiger Graubart
Damit er noch lange hält! Tipps für Hundesenioren
(2.663 Zeichen)
(animal) Der zwölfjährige schwarze Neufundländer Chico ist immer noch recht rüstig. Nur um die Schnauze herum ist er grau, und manchmal sieht er aus wie ein zerzauster alter Professor. Aus dem wilden Feger von einst ist ein ruhiger, genügsamer Senior geworden. Er schläft mehr, und seine Körperhaltung wirkt auf einmal viel steifer. Das Aufstehen fällt ihm schwer, alles geht ein wenig langsamer als früher. Eigentlich dürfte er schon längst in den Hundehimmel. Foto: DGK
Hunde großer und sehr großer Rassen altern schneller als kleine und mittelgroße Hunde. Bei Neufundländern, Doggen oder Bernhardinern ist es schon ein Glück, wenn die Tiere ein Alter von zehn Jahren erreichen. Die Seniorphase beginnt somit bei ihnen meist schon mit neun Jahren, bei sehr großen Hunden mit acht Jahren. Andere Rassen, wie Pudel oder Dackel, sind oft bis ins hohe Lebensalter von 15 Jahren „fit wie ein Turnschuh“. Die ältesten Hunde, die es je gegeben hat, sind 27, 29 und 34 Jahre alt geworden, doch das sind natürlich Ausnahmen.
Bei Hunden mit sehr dunklem Fell sieht man schon recht früh, dass sie im Gesicht grau werden, bei helleren Hunden fällt dies erst sehr viel später auf. Hundesenioren haben weniger Geschmacksnerven und reduzierte Speichelsekretion. Das kann beispielweise erklären, warum einige Senioren mit zunehmendem Alter schlechter fressen. Oft sind auch die Zähne abgenutzt, und der Darm ist träger als in der Jugend. Das sollte zum Beispiel berücksichtigt werden, wenn Kauknochen verfüttert werden. Tierknochen besser weglassen. Ein älterer Hund ist auch weniger aktiv und hat oft Verschleißerscheinungen an Gelenken und Knochen. Das Risiko, Gewicht und Muskelmasse zu verlieren, steigt. Das Immunsystem eines Seniors ist auch nicht mehr so effektiv wie es mal war, was allerdings kein Grund für zusätzliche Wiederholungsimpfungen ist.
Dank industriell hergestellter Fertigfutter und Futterzusätze ist es nicht schwierig, jedem Hundesenior die passende Ernährung zusammenzustellen. Dabei sollte man sich vom Tierarzt beraten lassen, um den Gesundheitszustand des Hundes zu berücksichtigen. Grundsätzlich gilt: Eiweiß braucht der alte Hund nicht mehr so viel, wohl aber mehr Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.
Passen Sie die Spaziergänge an die Bedürfnisse Ihres Vierbeiners an und überfordern Sie ihn nicht. Gehen Sie, wie damals, als er ein kleiner Welpe war, lieber öfter am Tag eine kürzere Runde. Ihr Hund wird es Ihnen danken. Sorgen Sie dafür, dass er möglichst nicht auf sehr kaltem und hartem Untergrund liegt. Ebenso vertragen alte Hunde, genau wie ältere Menschen, die schwüle Hitze im Hochsommer nicht. Meiden Sie also die pralle Sonne und gehen hauptsächlich in den frühen und späten Tageszeiten mit ihm raus.
Wie bei älteren Menschen gilt zudem: Denktraining ist wichtig, um den Hundesenior lange fit zu halten. Dabei muss es nicht immer ein ausgiebiger Ausflug in die Natur sein, auch Spiele in der Wohnung, bei denen der Hund beispielsweise sein verstecktes Spielzeug suchen muss, halten ihn länger jung! Solange ein Hund keine schweren Leiden hat, kann er jede Menge Spaß und Freude bis ins hohe Alter haben und sein Leben genießen.
Gesundheitspolizist der Alpen
Der Bartgeier zieht wieder seine Kreise
(3.708 Zeichen)
(animal) Früher galt er als „Lämmergeier“ oder „Kinderräuber“. Dieser zu Unrecht auferlegte, schlechte Ruf wurde ihm zum Verhängnis und führte Anfang des 20. Jahrhunderts zu seiner Ausrottung in den Alpen.
Foto: © W.Walter/4nature/ EGS-Archiv
Aus Österreich war der Bartgeier, Gypaetus barbatus, seit dem Jahre 1880 bis zum Wiedereinbürgerungsprojekt des World Wide Found For Nature (WWF) völlig verschwunden. Dieses Projekt sorgt dafür, dass der größte Vogel Europas wieder seine majestätischen Kreise hoch über den Alpen ziehen darf.
Die Natur- und Umweltschutzschutzorganisation WWF entlässt seit 1986 jährlich junge Vögel aus einem Zuchtprogramm zahlreicher Zoos und Tierparks in die Freiheit. Insgesamt 30 Zoos, darunter der Alpenzoo Innsbruck und der Tiergarten Schönbrunn, das Umweltministerium und die Frankfurter Zoologische Gesellschaft sind an der Aktion beteiligt. Die Zucht und Forschung betreibt der Verein Eulen- und Greifvogelschutz. Jährlich werden mehrere Jungtiere in Österreich, Frankreich, Italien und der Schweiz ausgewildert, bis zum Jahr 2005 insgesamt 139 Vögel. In Frankreich und Italien sind bereits 27 junge Bartgeier in freier Wildbahn geschlüpft.
In Österreich erfolgt die Freilassung im Nationalpark Hohe Tauern, der das Projekt seit mehreren Jahren maßgeblich mitträgt, und zwar abwechselnd in den drei Regionen Kärnten, Osttirol und Salzburg.
Der Bartgeier hat eine Flügelspannbreite von fast drei Metern. Er wird oft mit dem Steinadler verwechselt, der im gleichen Lebensraum vorkommt. Im Flug sind die beiden Arten oft nicht leicht zu unterscheiden. Sein gefiederter Kopf, mit den durchdringenden, rot umrandeten Augen, das weiß oder braun gefiederte Brustkleid und seine silbrig-schimmernden Schwungfedern machen ihn zum schönsten Vertreter der Geier-Sippe. Die bartähnlichen Federbüschel an der Unterseite des Schnabels haben ihm seinen Namen beschert.
Bartgeier sind reine Aasfresser. Aufgrund ihrer Vorliebe für Knochen, Sehnen und Haut machen sie kaum einem anderen Tier das Futter streitig. Ihr erweiterter Schlund und ihr hochspezialisierter Verdauungstrakt gestatten es ihnen, große Knochen zu schlucken und zu verwerten. „Knochenbrecher“ heißt der Bartgeier auf Spanisch. Ein Name, der nicht nur die vorwiegende Ernährung des Bartgeiers beschreibt, sondern auch weil er große Knochen aus der Luft auf Felsen prallen lässt, um sie schnabelgerecht zu zerkleinern. Seine Nahrung besteht zu 80 Prozent aus Knochen verendeter Wild- und Haustiere. Daher spielt der Vogel auch als „Gesundheitspolizist“ eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht.
Auf Tuchfühlung mit dem größten Vogel der Alpen war die 32-jährige Biologin Judith Reßler als Volontärin des Nationalparks Hohe Tauern. An einer Bartgeierfreilassungsstelle, in einem Talkessel mit viel Geröll und Schutt, sah sie die Tiere zum ersten Mal aus der Nähe:
„Auf dem Bauch liegend, fast wie eine Spionageeinheit, konnten wir zwei jungen Bartgeier beim Fressen beobachten. Der Leiter des Bartgeierprojektes Michael Knollseisen warf in circa 500 Metern Entfernung das Fleisch in den Abgrund, wodurch sich die beiden Geier nicht wirklich stören lassen. Erst bei den letzten Stücken erhob sich einer der beiden und flog in weitem Bogen davon.
Im Alter von zwei bis drei Monaten können junge Bartgeier selbstständig fressen. Die Altvögel kommen nur noch selten vorbei, um Futter zu bringen. Um die Tiere nicht auf den Menschen zu prägen, werden zwei Jungvögel im Alter von etwa drei Monaten in einem künstlichen Horst und ihrem zukünftigen Revier möglichst unauffällig gefüttert. In der einmonatigen Kinderstube ohne elterliche Aufsicht prägen sich die Junggeier ihre Umgebung ein und entwickeln eine Ortsbindung, erklärt Knollseisen.
Als wir vor einem nahendem Gewitter flüchten mussten, erschien ein riesiger Schatten direkt über unseren Köpfen. Es war Nikola, das alte Bartgeierweibchen, das uns zu beobachten schien und einer Harpyie1 oder Wilddrude2 gleich über unseren Köpfen kreiste. Ausgewachsene Bartgeier sind neugierig! Sie verhalten sich zum Beispiel völlig anders als Steinadler. Diese sind extrem vorsichtig, wenn sie bejagt werden und halten Distanz. Wenn ein Bartgeier einen Schuss hört, schaut er nach, was los ist. Und so beäugte uns auch Nikola ausgiebig und zog ein um andere Mal über unsere Köpfe hinweg – faszinierend!“
Auf Beobachtungsposten in luftiger Höhe.
So wird das Futter für die jungen Bartgeier angeliefert.
Fotos: David Mahler
Mehr Informationen über das Wiederansiedlungsprojekt in den Alpen erhalten Sie über: www.wild.unizh.ch/bg/index.htm www.wwf.at/Projekte/artenschutz/Bartgeier/index.html/s=1
_______________1 Harpia harpyja = mächtige, aggressive und angriffsfreudige Greifvögel, die vorzugsweise Affen und große Papageien jagen, leben in den dichten Regenwäldern Mittel- und Südamerikas /als Fabelwesen: Griechische Ungeheuer und Sturmgeister, die Menschen rauben und Nahrung besudeln, Mischwesen aus Mädchen- und Vogelleibern.
2 Im Volksglauben sind Druden Nachtgeister, die nachts die Schläfer quälen. Die Hilflosigkeit des Schlafenden, den der Albtraum plagt, legt den Schluss nahe, dass ein solcher Nachtmahr auf ihm sitzt und ihn festhält / in altdeutscher Vorstellung übermenschliche weibliche Wesen, die auf den Menschen wie Elfen, Alpe oder Hexen heilsam oder verderblich einwirke.
Nachwuchs bei Nagern
Unkontrollierte Fortpflanzung vermeiden
(1.666 Zeichen)
(animal) Für viele Nagetiere ist die Gesellschaft der Artgenossen wichtig. Daher werden sie am besten zu zweit gehalten. Bei Meerschwein, Maus und Co. jedoch kann die Vermehrungsrate schnell außer Kontrolle geraten, werden sie als Paar gehalten. Bei Kaninchen beispielsweise liegt die Zahl der möglichen Würfe pro Jahr zwischen sechs und zehn. Es können je nach Rasse und Größe der Tiere zwischen einem und zehn Jungen geboren werden. Foto: DGK
Doch wie vermeidet man ungewollten Nachwuchs? Die Jungen sehen zwar süß aus, doch wo sollen sie hin, wenn das Nagerheim überquillt?
Den Zoofachhändler sollte man ruhig fragen, ob er den Nachwuchs abnimmt, aber zu viele Tiere kann er in seinem Geschäft natürlich auch nicht unterbringen. Und das Tierheim sollte nur die äußerste Lösung sein. Deshalb sind wirkungsvolle Methoden zur Fortpflanzungskontrolle angesagt.
Bei Kaninchen ist die Haltung zweier ausschließlich weiblicher Tiere wegen ihrem ausgeprägten Dominanzverhalten oft schwierig. Bei der Haltung eines Pärchens bietet sich die Kastration des Männchens an. Eine Ausnahme bilden hierbei nur Chinchillas, deren Kastration problematisch ist. Und: Nach der Kastration sind Meerschweinchen- und Kaninchenmännchen zum Beispiel für eine gewisse Zeit noch zeugungsfähig und müssen daher nach der Operation noch etwa sechs bis acht Wochen vom Weibchen getrennt bleiben.
Sehr zu warnen ist vor der Haltung von etwa einem Zwerghamster mit weiblichen Mäusen, männlichen Ratten mit weiblichen Wüstenrennmäusen oder ähnlichen Mischungen. Da ist Nachwuchs zwar ausgeschlossen, es kann aber zu derben Begattungsversuchen kommen, bei denen gebissen und gekratzt wird. Meerschweinchen können sogar in Gruppen gehalten werden, wenn sie in großen Gehegen untergebracht sind, in denen sie sich aus dem Wege gehen können. Goldhamster bilden übrigens eine Ausnahme. Sie sind ungesellig und leiden nie an Einsamkeit. Bei ihnen ist die Einzelhaltung völlig unkompliziert.
AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Der richtige Riecher
Krebsforschung auf den Hund gekommen: Vierbeiner können „Krankheiten“ erschnuppern
(1.420 Zeichen)
(animal) Nach Drogen und Sprengstoff werden Hunde womöglich demnächst auch auf tödliche Krankheiten angesetzt: Denn die Vierbeiner haben den richtigen Riecher. Sie sollen mit ihrem extrem feinen Geruchssinn sogar Krebserkrankungen erschnüffeln können, so eine polnisch-amerikanische Studie.
Die von dem Forscherteam um Michael McCulloch von der Pine Street Foundation in San Anselmo, Kalifornien, drei Wochen lang trainierten Tiere sollten anhand von Atemproben an Lungen- und Brustkrebs erkrankte Personen zwischen Gesunden herausschnuppern. Durch Hinsetzen oder Hinlegen signalisierten die Tiere die Wahrnehmung eines „Krebsatems“. Das Ergebnis: Die Hunde erkannten die Proben der erkrankten Patienten problemlos und mit einer hohen Trefferquote von 88 bis 97 Prozent. Über ihre Studie berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Integrated Cancer Therapies“. Der Stoffwechsel von Krebspatienten verändere sich offenbar so stark, dass Hunde dies am Atem erkennen können, glaubt McCulloch. Die Forscher hoffen, Krebserkrankungen mithilfe der vierbeinigen Spürnasen früher feststellen zu können.
Schon 2003 fanden Wissenschafter von der Universität Cambridge heraus, dass die „Supernasen“ zur Krebsfrüherkennung taugen. Ihre Experimente schildern Carolyn Willis vom Amersham Hospital in Buckinghamshire und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (Bd. 329, S. 712). Damals erschnüffelten die Vierbeiner aus Urinproben von Patienten Anzeichen von Krebszellen. Insbesondere Prostatakrebs sollte so frühzeitig erkannt werden. Diese Krebsart produziere Eiweiße, die in Blut und Urin nachgewiesen werden können.
Quellen:
Michael McCulloch et. al.: “Diagnostic Accuracy of Canine Scent Detection in Early and Late Stage Lung and Breast Cancers”. Integrative Cancer Therapies 5 (1), 2006 pp. 1-10
Carolyn M Willis et al.: “Olfactory detection of human bladder cancer by dogs: proof of principle study” British Medical Journal (BMJ) 2004, 329:712 (25.9.04)
MELDUNGEN
„Müssen Tiere Zähne putzen?“
(1.648 Zeichen)
(animal) Diese und weitere über 50 interessante und witzige Fragen stellt die Redakteurin Walli Müller an den Zoodirektor in Hellabrunn, Henning Wiesner. Und natürlich bekommen wir von ihm auch eine fundierte Antwort: Wilde Tiere brauchen keinen Zahnarzt, weil sie etwa wegen der festen Nahrung ordentlich kauen müssen und deshalb keinen Zahnstein ansetzen; oder sie halten sich eigene Zahnpfleger, so den kleinen Vogel Krokodilwächter, der im Maul der Krokodile die Zähne ordentlich reinigt. Bei Hund und Katze, die von uns Menschen leicht kaubares Fertigfutter bekommen, ist eine Zahnpflege aber oft notwendig.
Wir lernen also in jeder Frage viel zum Tierverhalten und zur Tierphysiologie – von einem Fachmann! Wir erfahren hier auch, dass Tiger, wenn sie ihre Eckzähne verlieren, ihre übliche Beute nicht mehr fangen und dann sogar zum Menschenfresser werden können. Jede Frage, wie etwa: „Warum läuft das Zebra mit einem Zebrastreifen herum?“ oder „Schläft das Murmeltier wie ein Murmeltier?“ wird ausführlich und weit über das eigentliche Thema hinaus beantwortet, jeweils auf einer Buchseite. Die gegenüberliegende Seite zeigt uns dazu ein wunderschönes Bild, illustriert von Günther Mattei. Am Ende des Buches gibt es sogar noch ein ausführliches Sachverzeichnis.
Dieses Bilder- und Sachbuch liest sich vergnüglich, beantwortet uns eine Vielzahl von Fragen zu Tieren und erfreut zudem noch mit seinen zauberhaften Illustrationen. Für Menschen, die sich für Tiere und ihr Verhalten interessieren, ist es wärmstens zu empfehlen. Eins allerdings muss betont werden: Es ist kein Kinderbuch im engeren Sinne, dazu sind die oft ironischen Sätze und die Wortwahl – etwa „Symbolgehalt“ (bei der Gottesanbeterin) oder „erogene Zonen“ (beim Elch) ohne elterliche Erklärung unverständlich. Das Buch ist also geeignet für Erwachsene und ältere Schulkinder oder – noch besser – für das gemeinsame Lesen oder Vorlesen und Diskutieren in der Familie.
Buchtipp: Müssen Tiere Zähne putzen? Wiesner/Müller/Mattei, Carl Hanser Verlag 2005, ISBN 3-446-20611-6, € 15,90
Hundejahre sind die besten?
(2.042 Zeichen)
(animal) Nach der alten chinesischen Zeitrechnung sind die Jahre nach einer Reihenfolge von zwölf Tieren benannt: Maus, Ochse, Tiger, Hase, Drachen, Schlange, Pferd, Widder, Affe, Huhn, Hund und Schwein. Am 29. Januar 2006 begann das „Jahr des Hundes“. Hundejahre waren zuletzt die Jahre 1922, 1934, 1946, 1958, 1970 und 1994. Zum Neujahrsfest werden Hunde von ihren Besitzern verwöhnt, bekommen Leckerbissen und Geschenke. Der Renner in einem Laden im kalten Liaoning war ein wärmender Hundeanzug im kaiserlichen Stil der Tang-Dynastie, berichtete die Ärztezeitung.
Das Geburtsjahr gilt in der chinesischen Astrologie als entscheidend für die Bestimmung des Charakters eines Menschen. Wer im Jahr des Hundes geboren wurde, gilt als treu und soll ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl haben. Er oder sie kann allerdings auch sehr konservativ und stur sein. Auch für die in China beliebte Wahrsagerei hat jedes Tierjahr bestimmte Besonderheiten. Was das kommende Jahr bringen wird, darüber sind sich die Wahrsager in Hongkong diesmal uneins. Es sei ein Jahr des Feuers mit vielen kleineren Brandherden und Bedrohungen. Man verweist auf die Vogelgrippe und die Gefährdung durch den Terrorismus.
Glück allerdings soll dieses Jahr all denen bringen, die eine Ehe schließen wollen. Dieses Hundejahr ist eine Art Schaltjahr und damit länger als ein normales Jahr. Es hat deshalb zwei Frühlingsanfänge, was es nach der chinesischen Tradition glückverheißend für Hochzeiten macht. Chinesische Standesämter erwarten einen Ansturm von Paaren. Das vergangene „Jahr des Huhns“ galt nämlich als ungünstig. Viele Verlobte hatten ihre Hochzeit deswegen um ein Jahr verschoben.
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Katzen sind auch Wasserratten
(842 Zeichen)
(animal) Es wird behauptet, dass Katzen um Wasser einen riesigen Bogen machen. Ein Vorurteil. Denn es gibt sogar Katzenarten, die echte „Wasserratten“ sind. Dazu gehört zum Beispiel die Türkish Van. Sie hat ihren Namen vom Van-See in der Türkei erhalten. Diese Katzenart schwimmt ausgesprochen gerne. Ein Grund ist sicherlich, dass sie zum Fischfang ihre Scheu vor dem Wasser überwinden musste.
Foto: DGK
Die in den Feuchtgebieten Südasiens lebende Fischkatze Felis (Prionailurus) viverrinus liebt das nasse Element geradezu und stürzt sich sogar kopfüber hinein. Auch große Katzen, wie beispielsweise der sibirische Tiger, lieben das Wasser. Die größte aller Katzen ist ein vorzüglicher Schwimmer, der mühelos selbst breite Wasserläufe durchquert. Wenn sie Hunger hat, schnappt sie sich im Wasser auch Fische und Schildkröten.
Selbst normale Hauskatzen sind übrigens hervorragende Schwimmer. Und manchmal zieht Wasser sie sogar magisch an. Man denke nur an die spielende Katze am tropfenden Wasserhahn.
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