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animal, Jg. 4, 4 - 2006
Wenn Hoppels Nase läuft
Kaninchenschnupfen ist ansteckend
(2.203 Zeichen)
(animal) Ein kleiner Schnupfen beim Menschen ist in aller Regel harmlos, beim Kaninchen dagegen kann eine verstopfte Nase tödlich enden: Der ansteckende Kaninchenschnupfen (Rhinitis contagiosa cuniculi), von dem Tiere jeden Alters befallen werden können, ist bei Züchtern gefürchtet.
Foto: DGK
Der Schnupfen beginnt mit einem trockenen Niesen. Die Nase sondert eine farblose, schleimige Flüssigkeit ab, es kommt zu vermehrtem Speichelfluss. Später mischt sich Eiter in die Nasenflüssigkeit, die Nase verstopft, und das Kaninchen muss durch den Mund atmen. Bei der Mundatmung schluckt das Tier viel Luft, was zu Schäden am Herzmuskel führen kann. Durch das angestrengte Atmen sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge (Lungenödeme). Die Augen entzünden sich, weil das Kaninchen mit der Pfote über Nase und Augen reibt und so die Bakterien verteilt. Ursache für den Kaninchenschnupfen ist das Bakterium Pasteurella multicida in der Nase, das das Tier schwächt und anfällig werden lässt. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier oder von Mensch zu Tier oder auch umgekehrt von Tier zu Mensch. Manchmal wird der Erreger auch über die Nahrung aufgenommen. Für Menschen ist der Schnupfen harmlos. Züchtern bleibt nichts anderes übrig, als alle Tiere zu töten, wenn sie erkrankt sind. Eine Behandlung des gesamten Zuchtbestandes ohne Änderung der Umweltbedingungen ist nicht sinnvoll. Das Heimkaninchen hingegen kann mit Antibiotika behandelt werden, allerdings sind die Heilungschancen nicht sehr groß. Eine längerfristige Behandlung mit Antibiotika ist nicht möglich, weil dies Kaninchen nicht vertragen. Eine vollständige Keimminimierung aus den Nasennebenhöhlen ist ebenfalls nicht möglich.
- Als Vorbeugung empfehlen Tierärzte die Impfung. Dies ist vor allem für Züchter wichtig, die ihre Tiere ausstellen. Sie schützt gegen den Haupterreger Pasteurella multicida und auch gegen Bordetella bronchiseptica. Die Erstimpfung kann schon ab einem Alter von vier Wochen erfolgen, erste Wiederholung nach zwei bis drei Wochen, danach nur noch halbjährliche Auffrischung. Die Impfung kann ohne Probleme mit den anderen Kaninchen-Impfungen kombiniert werden.
- Unhygienische Zustände und Staub machen Kaninchen anfällig (Stichwort: Faktorenseuche). Das Streu sollte daher oft und regelmäßig gewechselt werden. Parasitenbefall begünstigt den Ausbruch der Erkrankung.
- Viel frische Luft und Bewegung an der frischen Luft sowie eine vitaminreiche Ernährung lassen das Tier widerstandsfähig werden. Zugluft und zu niedrige Temperaturen sollten allerdings vermieden werden.
Schlange und Co.
Worauf Sie vor dem Kauf achten sollten
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(animal) Schlangen, Eidechsen, Leguane, Frösche, Vogelspinnen, Skorpione oder Heu-schrecken – Terrarientiere werden als Haustiere immer beliebter. Reptilien, Amphibien, Spinnentiere und Insekten sind jedoch in Haltung und Pflege recht anspruchsvoll und zudem auch kostspielig, bereits bei der Anschaffung des Tieres und der notwendigen Ausstattung, wie Terrarium und Zubehör.
Nicht alle Terrarientiere sind frei erhältlich. Es gibt zum Teil strenge rechtliche Bestimmungen beim Kauf und bei der Haltung dieser Tiere. Der Kauf giftiger Schlangen, Vogelspinnen und Skorpione beispielweise muss registriert werden.
Gut gepflegte und gesunde Tier erhalten Sie im Zoohandel oder bei Züchtern. Schauen Sie vorher jedoch auch mal im Tierheim nach, denn oft werden Reptilien dort abgegeben, weil der Besitzer mit der Haltung überfordert ist. Lassen Sie sich beim Kauf von einem Fachmann beraten. Vor der Anschaffung sollten Sie bei Ihrem Vermieter nachfragen, ob die Haltung dieser Tiere in Ihrer Wohnung erlaubt ist!
Übrigens: Gesunde Tiere zeigen, wenn man sie in die Hand nimmt, eine natürliche Gegenwehr, Zischen und Fauchen sind dabei keine Krankheitszeichen. Eine Schildkröte sollte sich beim Berühren sofort in ihren Panzer zurückziehen. Eingefallene, trübe Augen, Ausfluss, Verklebungen oder Entzündungen an Augen, Nasenlöchern und in der Aftergegend sowie offene Wunden oder Knoten auf der Haut, abgemagerte oder gar fehlende Gliedmaßenteile und Schwanzwurzeln sind Anzeichen für Krankheiten oder den Befall mit Parasiten.
Schlangen und Eidechsen können in wenigen Monaten eine beachtliche Größe erreichen. Informieren Sie sich daher genau über die zu erwartende Größe des erwachsenen Tieres.
Anders als Hund und Katze sind Terrarientiere keine „Kuschel- oder Schmusetiere“. Sie brauchen keine direkte menschliche Zuwendung. Als Spielkameraden für Kinder sind sie gänzlich ungeeignet. Oberstes Gebot bei ihrer Haltung ist es, ihnen ein möglichst artgemäßes und artgerechtes Leben zu ermöglichen.
Die Wahl des Terrariums richtet sich nach Typ, Größe, dem verfügbaren Platz und der An-zahl der Tiere, die darin untergebracht werden sollen. Das Terrarium muss so ausgestattet sein, dass es den natürlichen Lebensbedingungen des Tieres am nächsten kommt. Die richtige Temperatur, Feuchtigkeit und Beleuchtung sind zu beachten, außerdem sollte das Terrarium ausbruchsicher sein. Bei gefährlichen und giftigen Tieren müssen Sie sicherstellen, dass das Tier bei der Säuberung des Terrariums nicht entweichen kann. Hierzu ist in der Regel ein zweites Terrarium notwendig.
Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde, www.dght.de
Wenn es Struppi juckt und er seine Haare verliert
Mangelernährung, Parasitenbefall, Hormonstörungen oder Stress?
(2.581 Zeichen)
(animal) Der Zustand des Fells und der Haut des Hundes ist ein Spiegel seiner Gesundheit. Die meisten Hunde wechseln ihr Fell zweimal im Jahr – im Frühling und im Herbst. Wie und wann ein Hund sein Sommer- oder Winterfell verliert, ist von Rasse, Temperatur und der Länge des Tageslichts abhängig. Weil in der Wohnung Temperatur und Helligkeit im Jahr recht gleichmäßig sind, kann es zu einem dauernden Haarwechsel kommen, der keine besondere Bedeutung hat.
Leidet ein Hund unter starkem Haarausfall – vielleicht mit haarlosen Stellen, eine so genannte Alopezie, die nicht durch Kratzen, Scheuern oder Lecken hervorgerufen sind – oder zeigt er ein mattes, stumpfes oder aber fettiges, öliges Fell, juckt es oder hat er Ekzeme, dann stimmt etwas nicht.
- Fellprobleme können auf eine Mangelernährung hinweisen. Handelsübliches Futter ist in der Regel ausgewogen, selbstgekochtes dagegen oft nicht. Es sollte mit Mineral- und Vitaminpräparaten sowie ab und zu einem Ei angereichert werden. Manche Hunde bekommen ein mattes, stumpfes Fell, wenn sie zu viel Fleisch fressen. Auch hier hilft eine Umstellung auf eine ausgewogene Ernährung. Möglicherweise liegt auch eine Allergie gegen ein bestimmtes Futter vor. Dann sollte die Futtersorte gewechselt werden. Bei manchen Hunden lösen hohe Eiweißgaben und ein Mangel an lebenswichtigen Fettsäuren Juckreiz, Schuppen und Ekzeme aus.
- Hinter einem stumpfen Fell, Haarausfall und vor allem Schuppen können auch Parasiten wie zum Beispiel Milben oder eine Pilzinfektion stecken. Manche Hunde sind gegen Flöhe allergisch und verlieren deshalb die Haare.
- Auch hormonelle Ursachen können zu Haarausfall führen, so zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion. Nach einer Kastration verändert sich der Hormonhaushalt ebenfalls. Der Haarausfall verschwindet allerdings meist nach einiger Zeit von selbst wieder.
- Auch Stress kann Haarausfall verursachen. Gestresste oder neurotische Hunde kratzen und beißen sich, haben dünnes Haar oder verlieren stellenweise die Haare.
- Mitunter ist der Haarausfall genetisch bedingt. Manche Rassen wie Boxer und Dalmatiner neigen dazu.
Fellverfärbungen können ein Zeichen für falsche Ernährung, einen gestörten Stoffwechsel, Allergien, Stress oder klimatische Veränderungen sein. Eine Färbung des Fells ins Rötliche oder Gräuliche kann auf Kupfermangel hinweisen. Zinkmangel auf der anderen Seite kann zum vorzeitigen Ergrauen der Haare und der Hauterkrankung Parakeratose (überschießende Verhornung der Haut) führen. Beim 'Dalmatiner Bronze Syndrom' (DBS) sehen Hunde aus, als hätten sie schmutzige Stellen im Fell.
Die sorgfältige Pflege ist Voraussetzung für ein schönes, gesundes Fell. Auch Hunde mit kurzem Fell sollten gebürstet werden, beim Kämmen fallen Hautveränderungen, eventuell sogar Tumore und Ungeziefer frühzeitig auf. Hunde sollten so selten wie möglich gebadet werden, und wenn, dann nur mit lauwarmem, klarem Wasser und mildem, rückfettendem Hunde-Shampoo. Empfehlenswert ist es, die Hundeohren dabei mit Watte zu schützen.
Fotos: DGK
Ob hängend oder stehend...
Ohrenpflege bei Hunden
(2.405 Zeichen)
(animal) Gepflegt von Kopf bis Fuß? Die Ohren werden dabei oft vergessen. Das Ohr ist ein wichtiges Sinnesorgan, auf das die Vierbeiner zu ihrer Orientierung angewiesen sind. Außerdem tragen saubere Ohren zur Gesundheit und zum Wohlbefinden bei. Deshalb sollten Hundeohren regelmäßig kontrolliert werden.
Bei einigen Hunderassen, beispielsweise Pudel, wachsen Haare im Gehörgang. Die Haare verstopfen ihn, so dass Ohrenschmalz nicht nach außen entweichen und Luft von außen eindringen kann. Es entsteht ein feuchtes Klima im Gehörgang, in dem bestimmte Bakterien und Pilze gut gedeihen und eine Entzündung hervorrufen können. Daher müssen die Haare regelmäßig von einer darin geübten Person herausgezupft werden.
Hunde mit Schlappohren neigen zu Gehörgangsentzündungen, weil die Ohrmuschel die Öffnung abdeckt. Dadurch fehlt die Belüftung. Manch andere Hunde, darunter auch Hunde mit Stehohren, besitzen einen zu engen Gehörgang. Auch dadurch kann der Luftaustausch behindert sein und eine Entzündung begünstig werden.
Solange ein Hund, unabhängig von der Ohrmuschelform, keine Anzeichen eines Ohrenproblems zeigt, reicht eine regelmäßige Kontrolle – zwei bis drei Mal wöchentlich – der Ohren auf Schmutz bzw. schwarzbraunes Sekret oder veränderten Ohrgeruch. Bei leichter Verschmut-zung mit Speiseresten und Straßenschmutz ist vorsichtiges Säubern angeraten.
Zum Säubern der inneren Ohrmuschel eignet sich ein spezielles mildes Ohrenpflegemittel aus dem Fachhandel, das in das Ohr geträufelt und dann durch behutsames Kneten des Ohres eingebracht wird. Anschließend schütteln sich Hunde gewöhnlich kräftig. Die äußere Ohrmuschel reinigt man am besten mit einem weichen Tuch oder festem Wattebausch. Papiertaschentücher, Toilettenpapier oder normale Haushaltspapiertücher sind weniger geeignet, da sie oft zu rauh sind und Wunden in die Haut reißen können. Auch mit Wattestäbchen kann genau wie beim Menschen unbeabsichtigt Ohrenschmalz ins Ohrinnere geschoben werden. Die Verletzungsgefahr durch die Anwendung im abgewinkelten Gehörgang ist ziemlich hoch. Immer mal wieder sollten auch die kleinen Härchen aus dem Gehörgang entfernt werden, um die Belüftung des Ohres zu gewährleisten. Am besten lässt man sich die perfekte Ohrreinigung vom Tierarzt einmal zeigen. Er sollte das Tier auch regelmäßig kontrollieren und eventuell richtig behandeln.
Häufiges Kratzen und Jucken am Ohr, Kopfschütteln, schlechtes Hören oder ein unangenehmer bis fauliger Geruch aus den Ohren sind erste Anzeichen für eine Erkrankung. Fragen Sie in diesem Fall immer Ihren Tierarzt.
Sind keine Anzeichen vorhanden, sollten Sie sich freuen und keinerlei Säuberungsaktivitäten entwickeln. Ein Ohr, das gesund ist und dessen Reinigungsmechanismen intakt sind, sollte nicht unnötig gereizt werden, also unbehandelt bleiben.
Wo laufen sie denn?
Studie: Sind Laufräder für Hamster sinnvoll oder nicht?
(2.533 Zeichen)
(animal) Hamster laufen in freier Wildbahn oft kilometerweit, um Futter zu finden. Im Käfig dagegen ist der Auslauf sehr begrenzt. Um dem Tier dennoch Gelegenheit zum Rennen zu geben, bekommen viele Hamster ein Laufrad, das sie auch eifrig benutzen.
Dr. Sabine Gebhardt vom Institut für Genetik, Ernährung und Haltung von Haustieren der Universität Bern hat getestet, ob Hamster mit Rad im Käfig weniger Verhaltensauffälligkeiten zeigen als Tiere ohne Laufrad. Außerdem wollte sie wissen, ob die Tiere gleichsam süchtig werden und auch noch laufen, wenn es ihnen oder ihren Jungen schaden könnte. Die Forscherin untersuchte 20 Hamsterweibchen. Zehn von ihnen bekamen ein funktionsfähiges Hamsterrad, die anderen zehn eine Rad-Attrappe, die sich nicht drehen ließ. Zwischendurch wurden die Hamsterweibchen gepaart. Die Wissenschaftlerin fand heraus, dass die Laufrad-Hamster seltener an ihrem Käfig nagten als die Hamster mit der Attrappe. Das Nagen am Käfig wurde als Verhaltensauffälligkeit gewertet. Sie beobachtete darüber hinaus, dass die hochträchtigen Weibchen nicht mehr ins Rad stiegen. Junge Hamstermütter kümmerten sich lieber um ihre Jungen und mieden das Rad.
Außerdem stellte die Forscherin fest, dass die Tiere 6 bis 18,6 Kilometer pro Nacht in ihrem Rad liefen. Die Tiere waren fitter als ihre nicht laufenden Artgenossen, hatten mehr Muskeln und weniger Fett auf den Rippen und bekamen mehr Nachwuchs.
Sie kam zu folgendem Fazit: „Unter dem Vorbehalt, dass das Laufrad konstruktionsbedingt keine Gefahrenquelle darstellt und einen hinreichenden Durchmesser aufweist, kann ein Laufrad für die Heimtierhaltung von Goldhamstern tendenziell durchaus empfohlen werden.“
Tipps:
- Auch Hamster, die in einem Käfig leben, der größer als ein Quadratmeter ist und viel Abwechslung bietet, sollten ein Laufrad haben. Die einzige Alternative ist regelmäßiger Auslauf im Zimmer.
- Wenig geeignet sind Laufräder mit einem Durchmesser von nur 13 Zentimetern oder weniger. Zu kleine Laufräder können zur Verkrümmung der Wirbelsäule führen. Lieber laufen die Hamster in Rädern, die mindestens einen Durchmesser von 17,5 Zentimetern aufweisen. Für Goldhamster sollte das Laufrad eine Größe von 23 cm Durchmesser besitzen.
- Um Verletzungen zu vermeiden, muss die Einstiegsseite ganz offen, die andere Seite geschlossen sein. Auch für die Luftzufuhr ist dies von Vorteil: Durch das schnelle Laufen verbraucht das Tier viel Sauerstoff, so dass es in geschlossenen Systemen sehr stickig werden kann. Handelsübliche Laufräder aus Plastik sind oft viel zu klein und schaden dem Tier. Gefährlich sind Hamsterräder mit Streben, weil sich die Füßchen darin verfangen könnten. Oft bleiben sie mit ihren Gliedmaßen in den Trittleisten des Rades hängen. Die Folge: Brüche oder Verrenkungen. Besser sind eine geschlossene Lauffläche oder Lochbleche mit sehr kleinen Löchern.
- Räder, die aufgestellt werden, bergen Unfallrisiken, besser sind Räder, die an die Käfigseite gehängt werden.
Quellen:
Hamsterinfo: www.diebrain.de / Sabine Gebhardt, Evelyne Vonlanthen, (2003): „Stellt das Laufrad einen Schaden oder Nutzen bei der Heimtierhaltung des Syrischen Goldhamsters dar - Erste Ergebnisse“. Weitere Informationen zu der Studie sind im Internet unter www.aramis-research.ch/d/1218.html zu finden.
AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Ansteckender Krebs bei Hunden
Ursprünge über Jahrhunderte bis zum Wolf zurückverfolgt
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(animal) Ein internationales Forscherteam ist einer ansteckenden Form von Krebs bei Hunden auf die Spur gekommen. Die Tumorzellen beim so genannten Canine Transmissible Venereal Tumor (CTVT), auch als Sticker-Sarkom oder Sticker-Tumor bekannt, stammen nicht von den eigenen Körperzellen der erkrankten Tiere ab, sondern von einem Wolf oder einer eng artverwandten alten Hunderasse, der vor mindestens 200 Jahren lebte. Krebsgewebe aus diesem Tier wurde seither wie ein Parasit von Opfer zu Opfer – durch geschlechtlichen Kontakt vom Rüden auf die Hündin und von der Hündin auf den Rüden – übertragen und hat sich so über die ganze Welt verbreitet. Er kann sich aber auch durch Lecken, Beißen und Beschnüffeln der vom Tumor befallenen Stellen ausbreiten. Beim Sticker-Sarkom bilden sich an den Geschlechtsorganen der Hunde Tumoren. Befallen sind vor allen streunende Hunde, männliche und weibliche Tier gleichermaßen.
Bisher waren nur Krebsarten bekannt, deren Tumorzellen sich aus körpereigenem Gewebe bilden. Zwar weiß man, dass manche Krebsarten durch übertragbare Viren ausgelöst werden können. Einen Ansteckungsweg über Viren beim Sticker-Sarkom zweifeln Forscher schon länger an.
Mit Hilfe von Genanalysen verglichen Dr. Robin Weiss und Claudio Murgia vom University College in London und Kollegen das Erbmaterial des Krebsgewebes von 40 erkrankten, nicht miteinander verwandten Hunden und fanden heraus, dass dieses genetisch identisch war. Die Krebszellen stammten ursprünglich von einem einzigen Tier, ergaben weitere Untersuchungen. Im übertragenen Sinne hat also ein Stück dieses „Vorfahren“ die Jahrhunderte überdauert. Die Krebszellen hätten eine Strategie entwickelt, das Immunsystem der Hunde zu überlisten, andernfalls würde das fremde Gewebe sofort abgestoßen werden, sagen die Forscher. Ihrer Ansicht nach beschreiben die neuen Erkenntnisse nicht nur ein kurioses Phänomen in der Natur. Die besonderen Eigenschaften der Krebszellen des Sticker-Sarkoms können vielmehr auch Einblicke in die Immunreaktion des Körpers auf Tumorzellen liefern.
Behandlung: In einigen Fällen kommt es zu einer Abheilung (spontanen Remission) ohne Behandlung. Der Tumor spricht gut auf eine Chemotherapie an. Wenn der Tumor günstig sitzt, kann auch eine Bestrahlungstherapie vorgenommen werden.
Quelle:
Claudio Murgia, Jonathan K. Pritchard, Su Yeon Kim, Ariberto Fassati, Robin A. Weiss: Clonal Origin and Evolution of a Transmissible Cancer. In: Cell, Bd. 126, Nr. 3, S. 477, 10. August 2006
Was Mäuse in der Nase haben
Mäusemänner senden geheime Botschaften mit Tränen und Urin
(1.497 Zeichen)
(animal) Mäusemänner weinen, um ihre Partnerin zu betören, das fanden die japanischen Wissenschaftler Hiroko Kimoto und seine Mitarbeiter von der Universität Tokio heraus. Die Tränenflüssigkeit enthält das Pheromon ESP1. Pheromone sind geruchlose Substanzen, die unter anderem die sexuelle Erregung steuern. Bei Säugetieren dienen sie dazu, sexuelle Bereitschaft zu zeigen oder den Partner in Stimmung zu bringen. Die Lockstoffe werden über das so genannte vomeronasale Organ (VNO) (auch Jacobson’sches Organ) in der Nasenscheidewand aufgenommen. Das Wahrnehmen mit diesem Geruchs- und Witterungsorgan wird Flehmen genannt.
Das Pheromon ESP1 gerät beim Beschnuppern des Mäusemännchens in die Nase der Mäusefrau und erregt sie. Die Ergebnisse wurden im britischen Journal „Nature“ veröffentlicht. Das neu entdeckte Pheromon ist nicht flüchtig und wird direkt übertragen – im Gegen-satz zu den bisher bekannten Pheromonen, die sich in der Luft verflüchtigen und über große Distanz Artgenossen des anderen Geschlechts anlocken.
Aber nicht nur das vomeronasale Organ enthält Sinneszellen, die durch Pheromone stimuliert werden, auch im Riechepithel der Nasenschleimhaut wurden nun spezifische Zellen entdeckt. Nobelpreisträgerin Linda Buck vom Fred-Hutchinson-Krebsforschungszentrum in Seattle konnte in einer auch in „Nature“ veröffentlichten Arbeit zeigen, dass Lockstoffe aus dem Urin von Mäusemännchen über diese Sinneszellen von Weibchen wahrgenommen werden. Es wird vermutet, dass solche Pheromone das Sozialverhalten der Tiere beeinflussen können. Interessanterweise sind solche Zellen auch in der Nasenschleimhaut des Menschen vorhanden. Ob sie bei den Sozialkontakten auch des Menschen eine Rolle spielen, ist bisher noch unbekannt.
Quellen:
Hiroko Kimoto, S. Haga, Koji Sato, Kazushige Touhara (2005) Sex-specific peptides from exocrine glands stimulate mouse vomeronasal sensory neurons. Nature Bd. 437, S. 898 – 90
Stephen D. Liberles, Linda B. Buck (2006) A second class of chemosensory receptors in the olfactory epithelium. Nature Bd. 442, S. 645-650.
Männer verhalten sich wie Hunde, um die Rangfolge festzulegen
(951 Zeichen)
(animal) „Männer sind wie Schokolade“? Falsch. Männer sind wie Hunde – zumindest wenn sie „Laut geben“. Das haben amerikanische Wissenschaftler festgestellt. Begegnen sich zwei Hunde, dann lässt sich die Rangfolge an der Stimmlage erkennen: Fühlt sich der Hund dem anderen überlegen, dann grollt er mit tiefen Tönen, hält er sich für schwächer, dann jault er mit hoher Stimme. Ebenso verhält es sich bei Männern. Das sagt der Wissenschaftler David Puts in seiner Studie, die er im Juli 2006 in dem amerikanischen Journal „Evolution and Human Behavior“ veröffentlichte.
111 Männer sollten sich gemeinsam mit einem Rivalen an ihrer Seite mit einer jungen, hübschen Dame verabreden und sich dabei überlegen, ob sie sich dem jeweils anderen über- oder unterlegen fühlen. Vor und nach dem Test mussten die Männer Texte vorlesen. Dabei wurde jeweils ihre Stimmlage gemessen. Anschließend wurden die Probanden gefragt, ob sie sich dem Rivalen gegenüber dominant fühlten. Das Ergebnis: So wie die Hunde senken auch Männer ihre Stimmlage, wenn sie glauben, einem Schwächeren zu begegnen und heben die Stimme, wenn sie sich unterlegen fühlen.
Quelle: David Andrew Puts, Steven J.C. Gaulin, Katherine Verdolini: Dominance and the evolution of sexual dimorphism in human voice pitch, Evolution and Human Behavior, July 2006 (Vol. 27, Issue 4, Pages 283-296)
Hunde können eifersüchtig sein
(1.426 Zeichen)
(animal) Unter Wissenschaftlern ist unstrittig, dass Hunde, Katzen und Pferde primäre Gefühle wie Wut, Angst und Überraschung empfinden können. Ob so genannte sekundäre Gefühle wie Eifersucht, Verlegenheit, Stolz, Schuld und Scham außer bei Menschen und Schimpansen auch bei anderen Säugetieren vorkommen, wird gelegentlich angezweifelt, da die dazu nötigen kognitiven Fähigkeiten dort schwerer erkennbar sind.
Foto: DGK
Eine Studie der Universität Portsmouth in Großbritannien hat nun ergeben: Hunde können genauso wie Menschen eifersüchtig sein. Demnach fühlen sich die Vierbeiner manchmal wie ein vernachlässigter Partner in einer Dreiecksbeziehung. Für die Studie unter der Leitung von Dr. Paul Morris wurden 1.000 Hundebesitzer im Süden Großbritanniens befragt. In mehr als 80 Prozent der Fälle hätten diese in „bemerkenswerter Übereinstimmung“ vom eifersüchtigen Verhalten ihrer Tiere berichtet. Wollen beispielweise Herrchen oder Frauchen mit dem Partner alleine sein, übernimmt der Hund der Untersuchung zufolge gerne die Rolle eines so genannten Anstandswauwaus: Er stört das Paar absichtlich in seiner Zweisamkeit, weil er sich nicht genug beachtet fühlt. Die Vierbeiner entwickeln auch andere komplexe Gefühle wie zum Beispiel Verlegenheit.
Viele Hundebesitzer können dies sicherlich bestätigen und wissen von den durchaus „menschlichen Zügen“ ihres Vierbeiners schon längst. Hunde sind eifersüchtig und drängeln sich dazwischen, schämen sich und senken mit „Dackelblick“ den Kopf, sind verlegen oder fühlen sich – mit eingekniffenem Schwanz – schuldig. Der britische Verhaltensforscher Mor-ris will als nächstes die Gefühle der Pferde untersuchen.
Quelle: www.port.ac.uk/departments/academic/psychology/research/studyofemotion/
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