Nobelpreis 2020 geht an die Entdecker des Hepatitis-C-Virus

2020 hat uns bislang das SARS-Corona-Virus-2 begleitet, nun kommt ein anderer, allerdings schon länger bekannter Erreger, „positiv“ ins Gespräch: das Hepatitis-C-Virus (HCV).

Anfang Oktober hat das Nobelpreiskomitee die diesjährigen Preisträger in der Kategorie „Physiologie oder Medizin“ bekannt gegeben: Professor Harvey J. Alter, Professor Michael Houghton und Professor Charles M. Rice. Dank der Arbeiten der drei Wissenschaftler lässt sich heute Hepatitis C, eine Form der infektiösen Leberentzündung, in vielen Fällen sehr gut behandeln und auch heilen.

Harvey J. Alter isolierte die genetische Sequenz des Hepatitis-C-Virus. Dem Mediziner fiel auf, dass Patienten nach einer Bluttransfusion dennoch an einer Hepatitis erkrankten, obwohl das Spenderblut negativ auf Hepatitis A und Hepatitis B getestet war. Er und sein Team injizierten daher Schimpansen Serum von erkrankten Patienten. Die Tiere erkrankten, also musste ein weiterer Erreger Verursacher der Leberentzündung sein. Über viele Jahre lautetet daher die Diagnose bei betroffenen Patienten: „NonA-NonB-Hepatitis“.

Michael Houghton identifizierte das Virus und konnte es anhand der bereits bekannten Virussequenzen den Flaviviren zuordnen, zu denen beispielsweise auch die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder auch das Gelbfiebervirus gehören. Er war außerdem an der Entwicklung eines HCV-Diagnostiktests beteiligt.

Charles M. Rice lieferte 1997 den Beweis, dass das Hepatitis-C-Virus der alleinige Verursacher einer chronischen Leberentzündung ist. Bis dahin war es Forschern nicht gelungen, Versuchstiere mit einem vermehrungsfähigen HCV zu infizieren. Dem Virologen Rice sind dann allerdings bei Infektionsversuchen Sequenzveränderungen am Ende des Hepatitis-C-Genoms aufgefallen, die eine Rolle bei der Vermehrung in der Wirtszelle spielen könnten. Er stellte daher HCV-Mutanten her, deren Sequenz sich nicht mehr verändern konnte, und tatsächlich waren diese Varianten infektiös und lösten bei den Versuchstieren eine Hepatitis aus.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit über 70 Millionen Menschen chronisch mit HCV infiziert sind. In Deutschland geht man von 300.000 Patienten aus; 2019 wurden ca. 6.000 neue Fälle gemeldet. Jährlich sterben etwa 400.000 Menschen an der Krankheit bzw. an deren Spätfolgen. Aus der Leberentzündung können, wenn eine Behandlung unterbleibt, Leberzirrhose und Leberkrebs resultieren. Eine Impfung gegen Hepatitis C gibt es bislang nicht. In Deutschland werden seit 1991 alle Blutprodukte auf das HCV getestet.

Warum wird der Nobelpreis eigentlich verliehen?

Der Pazifist Alfred Nobel (1833 - 1986) konnte die Tatsache, dass seine Erfindung, nämlich das Dynamit, für den Krieg genutzt wurde, sein ganzes Leben nicht verarbeiten. Er vermachte daher sein Vermögen einer Stiftung mit der Auflage, dass aus den Zinserträgen Geldpreise an die Menschen vergeben werden, deren Forschungsergebnisse der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben.

Faktenbox Nobelpreis:

  • 1901 zum ersten Mal vergeben, u.a. an Emil von Behring (Physiologie und Medizin) und Wilhelm Conrad Röntgen (Physik)
  • Verleihung in den folgenden Kategorien: Physiologie oder Medizin, Chemie, Physik, Literatur, Frieden; seit 1969 der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften
  • bislang sind 603 Nobelpreise an 962 PreisträgerInnen verliehen worden
  • 57 Preise gingen bisher an Frauen; Marie Curie erhielt den Preis zweimal (1903 für Physik und 1911 für Chemie)
  • Die 17-jährige Malala Yousafzai (2014 Friedensnobelpreis) ist bislang die jüngste Preisträgerin, John B. Goodenough (2019 Chemie) mit 97 Jahren der älteste Preisträger.

Erstellt: 07.12.2020

Quellen:

  • www.nobelprize.org
  • Robert Koch-Institut, RKI-Ratgeber: Hepatitis C unter www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisC.html;jsessionid=9B0E62139A6034021EA99E9B66D28975.internet052.
  • Spektrum - Die Woche, 41/2020; Spuren im Blut von Daniela Mocker unter www.spektrum.de/magazin/spurensuche-im-blut/1783544.